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Marcel Rebiai, August 1998
Lebensbehinderung oder Lebensentfaltung
Woran orientiert sich unsere Ehe?
Ethik nach den Bedürfnissen des Menschen?
Gottes Weg zur Lebensfülle
Gottes ursprüngliche Idee
Ehe - ein Ort der Lebendigkeit
Fruchtbarkeit als Aufgabe
Vermehren durch Teilen
Herrschen in Gottes Namen
Veränderte Voraussetzungen jeder zwischenmenschlichen Beziehung
Beziehungsbruch = Identitätsverlust
Ein Kampf setzt ein
Partnerschaft als Lösung?
Eine neue Ordnung
Gottes Auftrag an den Mann
Hingabe an seine Frau
Gottes Auftrag an die Frau
Respekt ihrem Mann gegenüber
Ein Platz der Lebensentfaltung
Lebensbehinderung oder Lebensentfaltung
"Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen ihren Männern wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie Christus das Haupt der Kirche ist, er, der Retter des Leibes. Doch wie die Kirche sich Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat."
Epheser 5,21-25
Heute sich zum Thema "Ehe nach den Ordnungen Gottes" zu äussern, ist kein leichtes Unterfangen. Da sind viele Ängste, Emotionen und gegensätzliche Weltanschauungen, die mit diesem Thema verknüpft sind. Wer von Ehe nach den Ordnungen Gottes spricht, ist heute schon fast ein Exot.
Woran orientiert sich unsere Ehe?
Die folgenden Ausführungen wollen sich bewusst an Menschen richten, die ihr Leben eben an den Ordnungen Gottes messen wollen. Sie sollen ihnen sowohl Zeugnis als auch Anstösse geben, sich und Gott Rechenschaft abzulegen, mit was für Vorstellungen von Ehe wir leben und welche Vorstellungen Gott von Ehe hat. Immerhin ist er nach dem Zeugnis der Bibel der Schöpfer der Ehe.
Auch in unserer Gemeinschaft müssen und mussten wir uns immer wieder Rechenschaft ablegen über Vorstellungen, Ziele und Wirklichkeit unserer Ehen; dies nicht zuletzt aus den gemachten Erfahrungen und dem wachsenden Verständnis, dass Fruchtbarkeit auf allen Gebieten, Entfaltungsmöglichkeiten sowohl für den Mann als auch für die Frau durch die Ehe optimal gefördert oder massiv verhindert werden.
Man kann einwenden, dass dies keine umwerfenden Erkenntnisse sind. Doch scheint die Auseinandersetzung mit der Lebensrealität Ehe (auch in christlichen Kreisen), wenn vorhanden, dann nur bescheiden, obwohl die Not, die Lebensbehinderung in den Ehen und als Resultat von Ehen erdrückend ist.
Ethik nach den Bedürfnissen des Menschen?
Ehe als Lebensform ist schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Nicht nur Homosexuelle stellen das ursprüngliche Verständnis von Ehe und Familie in Frage. Es scheint, dass vor allem in der westlichen Welt, dem sogenannten christlichen Abendland, ein grundsätzlicher Wandel vom Verständnis von Ehe und Familie vor sich geht. Eine neue Ethik und Moral, die sich in Rechtsprechung und religiösem Handeln niederschlägt, nimmt immer deutlicher Gestalt an.
War es vor vierzig Jahren noch absolut fraglos, das eine Ehe sich zumindest äusserlich an den Normen der Bibel orientierte und jede gegen aussen unverbindliche Form des Zusammenlebens von Mann und Frau gesetzlich verboten war, so ist heute im Empfinden der Gesellschaft und des Staates nichts Anstössiges dabei, wenn sogar zwei Männer oder zwei Frauen offiziell in eheähnlicher Lebensform zusammenleben und wenn möglich noch Kinder adoptieren und aufziehen.
In der Schweiz und anderen christlichen Ländern ermutigen sogar Kirchen mit ihrem Segen (der natürlich aus "seelsorgerlichen Gründen" gegeben wird) mit wenig Bedenken zu einer solchen Lebensform.
Die Wertmassstäbe dieser neuen Ethik orientieren sich an den Bedürfnissen des Menschen, an seiner Vorstellung von Selbstbestimmung, Freiheit, Lebensqualität und Harmonie. Es ist in der Tat eine durch und durch humanistische Ethik, weil der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum stehen.
Gottes Weg zur Lebensfülle
Jeder aber, der glaubt, dass Gott das Zentrum aller Dinge ist, dass sein fleischgewordenes Wort, Jesus, die Quelle von Heil, Freiheit und Lebensqualität ist, dass nur das Wort Gottes allgemeingültige normative Werte vermittelt und dass der Mensch nicht durch Selbstbestimmung, sondern nur unter der Herrschaft Gottes zur Erfüllung und zum Leben gelangen kann - wer das glaubt, der wird immer massiver in Konflikt und in Konfrontation mit Regierung, Gesellschaft, Kultur und oft auch der Kirche geraten. Es ist dringend, dass wir uns aufmachen und uns Rechenschaft ablegen, was für ein Gottesbild und Menschenbild uns prägt im Bezug auf unser Zusammenleben, Ehe und Familie. Was vermitteln wir unseren Kindern? Was bezeugen wir unseren Nachbarn?
Das Ziel Gottes mit der Ehe, seine Absicht, hat sich meines Erachtens seit der Erschaffung des Menschen nicht verändert. Verändert haben sich jedoch die Voraussetzungen, dieses Ziel zu erreichen.
Es gibt darum ein Vor-dem-Sündenfall und ein Nach-dem-Sündenfall. Die Voraussetzungen haben sich unglaublich drastisch verändert.
Gottes ursprüngliche Idee
Wir lesen, dass Mann und Frau vor dem Sündenfall freien Zugang zu Gott hatten. Sie sahen ihn von Angesicht zu Angesicht. Ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl waren durch die unmittelbare Beziehung zu Gott, der zwischen ihnen stand und jedem das Verständnis für den anderen vermittelte, so gesättigt, dass sie, wie es heisst, nackt waren, ohne sich zu schämen. Jeder war in seiner Beziehung zu Gott eingebettet, geschützt, ganz. Keine Rivalität, kein Kampf, keine Bedrohung, keine Angst.
Ehe - ein Ort der Lebendigkeit
Und Gott gab ihnen das Ziel ihres Lebens und ihrer Beziehung bekannt:
"Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllt die Erde und macht sie euch untertan." Gen 1,28.
Gott schuf die Ehe als ein Ort der Lebendigkeit und des Lebens, der wiederum Leben hervorbringt und Zeugnis ablegt für den Gott des Lebens.
Nach Gottes Absichten ist die Ehe kein Ort der Selbstverwirklichung, dem Befriedigen eigener Bedürfnisse, des Auf-sich-Ausgerichtetseins, sondern ein Ort der Sichtbarmachung des Reiches Gottes, des Wesens Gottes, aber auch der optimalen Entfaltungsmöglichkeit für den Mann wie für die Frau; ein Ort der Fruchtbarkeit, der Hingabe, des Respektes; eine Beziehungsrealität, die ein Spiegel, ein Abglanz Gottes darstellen soll, eines Gottes der Beziehung, der Hingabe, der Lebensfülle, der Sicherheit und Geborgenheit, des Respektes und der Wahrheit, der Freiheit und der Schönheit, der Liebe.
Fruchtbarkeit als Aufgabe
"Seid fruchtbar und mehret euch!". Fruchtbarkeit, die der Ehe als Zielsetzung und Auftrag gegeben ist, erschöpft sich nicht im Zeugen von Nachkommen. Die Fruchtbarkeit gelangt erst zur Erfüllung, wenn wir als Mann und Frau unser Leben mit leiblichen und anvertrauten Kindern so teilen, dass sie an Leib, Seele und Geist lebensfähig, das heisst beziehungs- und konfliktfähig werden und am Leben teilhaben können.
Vermehren durch Teilen
Beim Mehren liegt der Akzent, wie ich glaube, nicht nur bei der leiblichen Vermehrung. Es geht vielmehr darum, unser Leben zu teilen, auszuteilen und wo wir auch hinkommen, Leben zu ermöglichen, zu fördern, auszubreiten, bis dieses Leben von Gott die ganze Erde erfüllt. Diese Fruchtbarkeit, zu der Mann und Frau (und das nicht nur in der Ehe!) berufen wurden, hat nicht nur mit äusserem Engagement zu tun, sondern ebenso mit den innersten Realitäten meines Herzens. In Galater 5 ist beschrieben, wie dieses fruchtschaffende und fruchtbare Sein gemeint ist: "Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit." Gal. 5,22-23. Hier werden Gottes Wesenszüge beschrieben. Fruchtbar werden bedeutet, dass diese Wesenszüge in uns Gestalt annehmen und in der Beziehung zwischen Mann und Frau Realität werden. Je mehr die Wirklichkeit und das Wesen Gottes nach Galater 5 in unseren Beziehungen wächst, umso mehr werden Menschen, unsere Kinder zuerst, in unseren Ehe Schutz, Geborgenheit, Orientierung und Heilung erfahren. Menschen werden die Güte, die Klarheit, Wahrheit und Barmherzigkeit Gottes an unserem Leben schmecken und dadurch zum Leben motiviert werden.
Herrschen in Gottes Namen
Noch ein Wort zum Herrschen und dem Untertanmachen der Erde. In uns Menschen, speziell in uns von der Aufklärung geprägten Menschen, regt sich intuitiv ein Widerwillen gegen Worte wie Herrschen und Untertanmachen. Wir verbinden damit zuerst einmal Knechtschaft, Ausbeutung, Willkür und Entwürdigung. Die Menschheitsgeschichte bestätigt massiv unseren Widerwillen und unsere Ablehnung von Herrschaft. Doch wenn der Gott der Bibel von Herrschaft spricht, geht es um eine ganz andere Wirklichkeit. Wenn er dem Menschen den Auftrag zum Herrschen gibt, dann geht es um jene Fruchtbarkeit, von der wir gesprochen haben. Gott ist ein Gott des Lebens und der Fülle, der Freiheit und Wahrheit. Gott ist ein Gott der Gnade und wird in der Bibel als die Liebe selbst bezeugt. In seinem Namen zu herrschen kann daher nur heissen: Menschen in das Leben, in die Fülle und in die Freiheit und Wahrheit hineinzuführen, kurz: sie mit dem Wesen des Gottes der Beziehung vertraut zu machen.
Veränderte Voraussetzungen jeder zwischenmenschlichen Beziehung
In Genesis 3 wird uns berichtet über die grösste Tragik der Menschheitsgeschichte und ihre Folgen, an denen wir heute mehr denn je leiden. Der Mensch lässt sich ins Misstrauen gegenüber Gott bringen. Er macht sein Leben von anderen Mächten und Möglichkeiten abhängig und geht auf Distanz zu Gott. Misstrauen aber heisst, Beziehungen verunmöglichen; denn echte Beziehung ist nur auf dem Boden von Vertrauen lebbar. Misstrauen bedeutet Beziehungsbruch. Wie wir schon oft betont haben, ist Gott ein Gott der Beziehung und hat den Menschen in seinem Bild ebenso als Beziehungswesen geschaffen. Wenn nun der Mensch in gebrochenen, unheilen Beziehungen lebt, dann ist er krank, todkrank. Sein Wesen ist gebrochen und ungeschützt. Das wollte der Teufel von Anfang an: den Menschen dahin bringen, die Beziehung, die ihm allein Schutz, Geborgenheit und Ganzheit gab, zu brechen, weil er wusste, dass dies für den Menschen den Tod bedeuten würde. In unheilen, zerbrochenen Beziehungen stirbt der Mensch. Indem der Mensch hinaustrat aus dieser Beziehung zu Gott, verlor er nicht nur den Schutz, sondern auch das Verständnis von der Wirklichkeit Gottes. Seit dem Sündenfall weiss der Mensch nicht mehr, wer Gott ist. Weil er den Bezug zu Gott verloren hat, weiss er auch nicht mehr, wer er selber ist. Die Reaktion auf Identitätsverlust ist Angst, denn wer Gott nicht kennt, ist den lebensvernichtenden Mächten schutzlos ausgesetzt.
Beziehungsbruch = Identitätsverlust
Die Wirklichkeit Gottes kam Adam und Eva abhanden, als sie sich von Gott abwandten. Wer den Bezug zur Wirklichkeit Gottes verliert, verliert ihn auch zur eigenen Wirklichkeit. Er wird all dessen beraubt, was ihn ausmacht. Daher heisst es: "... und sie erkannten, dass sie nackt waren." Gen 3,7.
Diese Nacktheit ist der Verlust der eigenen Identität, des Selbstbewusstseins, das nur aus einem Gottesbewusstsein erwachsen kann. Armut, Dunkelheit und Minderwertigkeit wurden zu den Lebensrealitäten des Menschen.
Der Mangel an Wert führt zur Reaktion, dass ich mich, so wie ich bin, nicht anvertrauen und zumuten kann. Ich schäme mich, weil ich mir bewusst bin, dass ich nackt und bloss bin. Ich kann nicht zu mir stehen.
Ein Kampf setzt ein
Anklage, Schuldzuweisung, Misstrauen, Argwohn, Bedrohtsein durch die Andersartigkeit des anderen, der man ungeschützt ausgeliefert ist, Kampf um den eigenen Wert und das Selbstverständnis, Kampf um den eigenen Platz, um die Bestätigung der eigenen Existenz, die man vom anderen einfordert, prägen seit dem Sündenfall die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Die Distanz zu Gott hat zur Distanz zwischen Mann und Frau geführt, zur Entfremdung. In dieser Distanz zu Gott sind alle Beziehung zwischen Mann und Frau offen oder unterschwellig von einer Gier nach Leben geprägt, weil Gott als direkte Lebensquelle nicht mehr zugänglich ist.
Es kann daher nicht erstaunen, dass Ehe ohne die Wirklichkeit Gottes ein Ort der Ausbeutung, der Entwürdigung, der Unterdrückung, des Misstrauens und der Anklage, des Kampfes - kurz: der Hölle ist, in der der Mann wie auch die Frau leiden.
Partnerschaft als Lösung?
Partnerschaft ist ein Begriff, den Männer und insbesondere Frauen gerne brauchen, denn im Kampf um den Platz versucht sich jeder verständlicherweise abzugrenzen und abzusichern. Der Partnerschaft liegt ein demokratisches Verständnis von Ehe zugrunde.
Partner werden Partner, weil sie gleiche Bedürfnisse und Interessen haben; sie einigen sich darum auf gleiche Rechte und Pflichten. Wo Interessen wieder auseinandergehen, da hört jede Partnerschaft wieder auf. Partnerschaft hat nichts mit Zuordnung, Einordnung oder Unterordnung zu tun.
In der Partnerschaft geht jeder ganz von den eigenen Bedürfnissen aus, mit dem Ziel der Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung, natürlich wo möglich zu fairen und gerechten Bedingungen. Partnerschaft kommt nicht ohne eine gewisse gegenseitige Kontrolle aus, um sicherzustellen, dass der Partner einen nicht hintergeht, übervorteilt. Das schwingt in jeder partnerschaftlichen Beziehung mit. Auf diese Weise bleibt die intimste Beziehung ein Kampffeld, weil man sich nicht ganz fallen lassen und ohne Vorbehalte anvertrauen kann.
In jedem Kampf gibt es einen Gewinner und einen Verlierer. Und weil beide um ihr Leben kämpfen, verlieren es beide, auch der scheinbare Gewinner: "Wer sein Leben liebt, der verliert es, und wer sein Leben in dieser Welt hasst, der wird es zu ewigem Leben bewahren." Joh. 12,25. So hat Gott das geregelt in seinem Reich. Er möchte Vertrauen, nicht Kontrolle; Hingabe, und nicht Selbstverwirklichung.
Eine neue Ordnung
Trotzdem hat Gott sein Ziel mit der Ehe nicht aufgegeben! Aber weil sich die Voraussetzungen für die Ehe geändert haben, hat Gott auch die Ordnungen für die Ehe den Realitäten angepasst. Was wir in Epheser 5 lesen, sind Ordnungen, die sowohl vom Mann wie von der Frau eine Hingabe unter Einsatz ihres Lebens fordern, um die Ziele Gottes zu erreichen. Es sind Ordnungen, die den einzig möglichen Schutz für das Entstehen des Reiches Gottes in der Ehe ermöglichen.
Gottes Auftrag an den Mann
Bei Gott gibt es im Wert von Mann und Frau keinen Unterschied. Es steht geschrieben: "Da gibt es nicht mehr... Mann und Frau. Denn ihr alle seid einer in Christus" Gal. 3,28. Aber Gott hat die Aufgaben neu verteilt. Er hat dem Mann den Auftrag gegeben, Verantwortung dafür zu tragen, sowohl seiner Frau als auch seinen Nachkommen einen geschützten Raum zu schaffen, der ihnen ermöglicht, den Gott des Lebens zu erfahren. Die Fruchtbarmachung der Ehe soll den Mann, wie es in Epheser 5 beschrieben ist, alles kosten. Nicht im Nehmen und Beherrschen, nicht im Ausbeuten und Benutzen, sondern im Geben seiner selbst soll der Mann seinen Auftrag leben. Der Mann muss sich einlassen mit den Bedürfnissen, Nöten und Ängsten und den für den Mann oft schwer nachvollziehbaren Lebensrealitäten einer Frau. Nicht nur die Frau ist eine Gehilfin des Mannes, auch der Mann soll der Frau eine Hilfe zum entfalteten Leben sein. Damit ist nicht einfach das Abnehmen von Hausarbeit gemeint, damit die Frau ihrer Selbstverwirklichung ebenso wie der Mann nachgehen kann (Hilfe im Haushalt kann auch nötig sein!). Weit kostspieliger für den Mann ist beispielweise das gemeinsame Durchdenken von Erziehungsfragen, das Festlegen von Familienwerten, sich Gedanken zu machen zum Wesen der Kinder, zur Strukturierung des Haushaltes, zur Beziehung zu den Nachbarn... Der Mann muss Zeit und Energie investieren, um das Denken und Fühlen, die Welt, Interessen, Pläne und Wünsche einer Frau zu verstehen, zu schätzen und zu fördern. Das wird den Mann nicht nur Schweiss seines Angesichtes kosten, gerade wenn seine Frau sich als schwierig entpuppen sollte, geerbte und gewachsene Verhaltensmuster sich als unangenehm herausstellen. Wenn Enge, Hilflosigkeit, Extravaganz, Lebensunfähigkeit oder bis dahin verdeckte tiefe Wunden sichtbar werden, dann ist für uns Männer tendenziell der Moment gekommen, uns abzusetzen. In diesem Moment sagt Gott zu uns: "Der Mann liebe seine Frau wie Christus die Gemeinde".
Hingabe an seine Frau
Die Hingabe, die Liebe, die Gott vom Mann seiner Frau gegenüber fordert, ist nicht in den Gefühlen verwurzelt, so wichtig es auch ist, dass der Mann seine Gefühle ganz entfalten kann. Die Liebe, die vom Mann gefordert wird, ist in der Entscheidung verwurzelt, die der Mann vor Gott und den Menschen für seine Frau gefällt hat. Gott will, dass wir Männer mit unserer ganzen Existenz zu unserem Jawort stehen, das wir gegeben haben. Dies ist eine Frage des Gehorsams und der Gottesfurcht, so wie es von Jesus heisst: "Er war gehorsam bis zum Tod." Phil. 2,8. Und es heisst, der Mann liebe seine Frau wie Christus die Gemeinde. Gott will, dass wir uns allem, was das Leben unserer Frau und Kinder bedroht, sei das von innen (eigene Nöte, Sünde und Verletzungen) als auch von aussen (gesellschaftliche und verwandtschaftliche Konflikte und Bedrohungen) stellen, Spannungen aushalten, Konflikte austragen und gottgefällige Lösungen, Antworten und Lebenshilfen erarbeiten. Wenn wir dazu selber nicht imstande sind, so bleibt es immer noch unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Hilfe geschaffen wird. Nur im Wahrnehmen dieser Verantwortung, nur im entschiedenen Stehen zu unserem Wort, nur wenn wir uns unseren Frauen nicht entziehen und uns nicht absetzen, wenn es spannungsgeladen wird, sondern klärend, schützend und ordnend beistehen, werden wir erfahren, dass Gott sich auch zu uns Männern stellt. Dann wird er uns in eine wirkliche Lebensautorität hineinführen, die es der Frau einfach macht, sich uns anzuvertrauen.
Gottes Auftrag an die Frau
Beim Mann geht es ausgesprochen um Gehorsam Gott gegenüber. Es geht um Gottesfurcht, um Integrität und Zuverlässigkeit, um die Hingabe seines Lebens, damit seiner Frau und Kindern Lebensraum geschaffen wird.
Die Herausforderung der Frau liegt im Vertrauen, in der Demut und dem Verzicht auf den Einsatz ihrer Waffen und Möglichkeiten, sich selber Leben zu verschaffen. Eine der wirkungsvollsten Waffen der Frau ist die Manipulation, das heisst, die Fähigkeit, jemanden unter Umgehung seines Willens für die eigenen Wünsche und Ziele dienstbar zu machen.
"Doch wie die Kirche sich Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem." Eph. 5,24. Diese Aufforderung geht zuerst einmal an den Stolz. Und es ist verständlich, dass sich in der Frau alles aufbäumt, denn diese Ordnung wird zunächst als Zurückversetzung, als Zweitrangigkeit verstanden und empfunden. In vielen Religionen und leider auch in der Geschichte des Christentums wurde und wird oft darunter verstanden, dass Gott den Mann der Frau vorziehe. Das ist jedoch nicht das biblische Zeugnis, weder im Alten noch im Neuen Testament. Wie Gott im Alten Testament seine Prophetinnen und Richterinnen hatte, so hat Jesus im Neuen Testament der Frau dieselbe Achtung entgegengebracht wie dem Mann. Bei der Unterordnung der Frau unter den Mann kann es von Gottes Seite in keiner Weise um eine Herabsetzung der Frau gehen. Vielmehr geht es um ihren von Gott zugewiesenen Platz, der ihrem Wesen entspricht und der sie optimal die Wirklichkeit Gottes in ihrem Leben erfahren lässt. Es ist eine Ordnung, die Schutz und Entfaltung bieten soll.
Respekt ihrem Mann gegenüber
Von der Frau ist eine Haltung des Respektes erwartet, des Vertrauens. Sie soll dem Mann Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit zumuten und ihn vorausgehen lassen auf dem schmalen Weg des Lebens. Sie soll sich ganz zu ihm, unter seinen Schutz und Namen stellen. Sich unterordnen bedeutet auch, ein ganzes Ja zu haben zur Andersartigkeit des Platzes einer Frau im Vergleich zu dem des Mannes; ein Ja zur Tatsache, dass Gott sowohl dem Mann wie der Frau ausdrücklich und ausschliesslich an dem Platz, den er ihnen zugewiesen hat, die Fülle an Lebens und Reichtum geben wird.
Auch für die Frau ist diese Haltung zunächst eine Frage des Gehorsams, nicht dem Mann, sondern ihrem Gott gegenüber. Aus eigener Kraft wird sie sich nicht unterordnen und ihren Platz einnehmen können. Nur wenn sie Gott kennt und ihm vertraut, als einem Gott, der ganz für sie ist, der ihr Vater ist, der imstande ist, ihr unter allen Umständen Leben, Würde, Recht und Schutz zu schaffen, nur dann kann sie sich auch ihrem Mann unterordnen. Damit schafft sie ihrem Mann Raum, seinen Platz und seine Verantwortung wahrzunehmen und sich als Autorität zu entwickeln.
Ein Platz der Lebensentfaltung
Es ist nicht immer einfach, als Frau dem Mann Respekt zu zollen und ihm die Führung zu überlassen, vor allem wenn man es besser weiss als er. Irgendwann wird sichtbar, dass er weder ein Herkules noch ein Einstein oder ein Billy Graham ist, sondern viel gewöhnlicher und bescheidener. Mängel, Unwissenheit und Unvermögen zeigen sich. Die Frau entdeckt, das ihr Mann sich nur schlecht formulieren kann, ihm keine guten Ideen in den Sinn kommen, er entscheidungsschwach und überfordert ist. Ihn nun trotz aller Schwächen als Autorität zu akzeptieren, zu respektieren, ihn zu ermutigen, seinen Platz einzunehmen, ist alles andere als einfach. So unvermögend ein Mann erscheinen mag, es ist nicht an der Frau, seine Verantwortung zu übernehmen. Gott hat ihr einen anderen Platz zugewiesen, als Gehilfin des Mannes. Dort wird sie gesegnet werden.
Viele Frauen verweigern ihren Männern den Respekt und behindern sie so, sich als Männer zu entfalten. Gleichzeitig wundern sie sich, dass sie schutzlos ausgeliefert sind, und merken, dass ihren Kinder ein wirklicher Vater fehlt. Es liegt stark in den Händen der Frau, ob Männer zu Autoritäten heranwachsen können oder nicht. Genauso liegt es in den Händen der Männer, ob ihre Frauen kreativ und fruchtbar werden.