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Ehelos als Lebensstil

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Marcel Rebiai, November 1998

EHELOSIGKEIT IM WANDEL DER ZEIT
Alttestamentliches Verständnis
Ehelosigkeit in der Gesellschaft von gestern
Ehelosigkeit in der Gesellschaft von heute
Ehelosigkeit in der Gemeinde

NEUTESTAMENTLICHES VERSTÄNDNIS
Den Bräutigam vor Augen
Das Lebensziel
Der Weg zur Reife
Umgang mit emotionellen und körperlichen Bedürfnissen
Eine Frage der Nachfolge 



EHELOSIGKEIT IM WANDEL DER ZEIT


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Alttestamentliches Verständnis

Gott hat die Ehe als Zelle und Baustein der menschlichen Gemeinschaft erfunden und eingesetzt. Zur Zeit des Alten Testamentes (und bei religiösen Juden bis heute) war heiraten und Nachkommen haben ein Beitrag an das Erfüllen der Gebote Gottes "Seid fruchtbar und mehret euch". Im Erfüllen dieser Gebote Gottes erwiesen sich ein Mann und eine Frau als nützliches, fruchtbares Glied der menschlichen Gemeinschaft. Ein Mann erhielt Anerkennung, Bestätigung und Würde im Sorgen für Schutz und Unterhalt von Frau und Kindern. So stellte er unter Beweis, dass er fähig und vertrauenswürdig war und verantwortungsvoll seinen Beitrag an die Gemeinschaft leisten konnte. Ebenso erfuhr die Frau Achtung und Schutz, wenn sie Kinder gebar und aufzog und ihrem Mann durch Aufrechterhaltung und Gestaltung eines Daheims beistand. Der Mann wie die Frau erhielten durch die Ehe einen definierten Platz in der Gesellschaft, wo sie Anerkennung und Schutz erfuhren. Diesem Verständnis von Ehe und Gesellschaft muss Ehelosigkeit als ein unheiler, abnormaler Zustand der Halbheit erscheinen. Damit verbunden ist die Meinung, dass ein Unverheirateter letzlich nichts Bleibendes zum Erhalt der Gemeinschaft beiträgt, weil er keine Nachkommen hat, an denen seine Autorität sichtbar wird und er seine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, unter Beweis stellen kann. Dieselbe Haltung nahm man auch kinderlosen Ehepaaren gegenüber ein: Sie lebten bemitleidet am Rand der Gesellschaft, weil ihr Leben ja offensichtlich fruchtlos war und im Zusammenhang mit Gottes ersten Geboten keinen Sinn ergab. So wurde Gottes Gebot von den Menschen zum Gesetz erhoben. Gott selber hat Ehe und Kinder jedoch nie zur Bedingung eines fruchtbaren Lebens gemacht. Gerade im Alten Testament offenbart er sich als einer, der an Gottesfurcht und Hingabe mehr interessiert ist als an vielen Nachkommen: Er beruft Abraham und Sara, ausgerechnet ein Ehepaar, das als kinderlos bekannt war. Zur Zeit der Richter gibt er Deborah, einer kinderlosen Frau, die Autorität, sein Volk in Weisheit zu führen. Durch Jesaja lässt Gott den unfruchtbaren und kinderlosen Frauen ausrichten, dass er sie deswegen nicht verachtet, im Gegenteil, ihnen, deren Leben eben nicht in ihren Kinder weitergehen wird, eine Zukunft der Freude und des Segens bereitet hat. Dann beruft Gott einen seiner Propheten, Jeremia, ganz bewusst zur Ehelosigkeit. Es ist wohl nicht zufällig, dass ausgerechnet dieser Prophet, der an seinem eigenen Leib und Leben die Fruchtlosigkeit des Volkes erlebte, im Kapitel 31 zur Offenbarung durchdringt, dass der Tag kommen wird, an dem Gottes Reich in diese Welt einbrechen und das Beziehungsverhältnis zwischen Gott und dem Menschen radikal verändern wird. Für gesetzestreue Menschen, die im oben beschriebenen Verständnis verankert sind, muss Gottes Handeln in solchen Situationen völlig unverständlich sein.
 

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Ehelosigkeit in der Gesellschaft von gestern


Bis vor 30 Jahren war das Ledigsein in unserer Gesellschaft ein Makel. Bei einem Mann, der über ein gewisses Alter hinaus unverheiratet blieb, vermutete man eine undurchsichtige, seltsame Persönlichkeit, Homosexualität oder einfach eine gestrandete Existenz. Auf alle Fälle begegnete man ihm mit einer gewissen Skepsis und stillschweigenden Anfrage an seine Integrität. Hinter vorgehaltener Hand warnte man die Kinder vor einem allzu intensiven Kontakt mit so einem Onkel. Einer unverheirateten Frau gegenüber empfand und empfindet man zum Teil bis heue (zumindest in christlichen Kreisen) Mitleid, weil Ledigsein mit Versagen im privaten Bereich gleichgesetzt wird. Die Reaktion war Hilflosigkeit und oft Distanz, weil man sich verpflichtet fühlte, etwas gegen den Mangel an erfülltem Leben und Geborgenheit zu unternehmen, den man bei ledigen Frauen annahm oder auch vermittelt erhielt. Ledigsein durfte jedenfalls nur ein vorübergehender Zustand sein und war an und für sich nicht erstrebenswert. Irgendwie empfand man das Unverheiratetsein fast als anstössig, jedenfalls als unfruchtbar. Männer wie Frauen, die über ein gewisses Alter hinaus ledig blieben, brachten Freunde und Verwandte mit ihrem (Zu-)Stand oft in Verlegenheit und Ratlosigkeit. Herzliche, freie Beziehungen zu unverheirateten Menschen waren eine Seltenheit. Man hoffte insgeheim auf eine baldige Heirat oder den Eintritt in eine ordensähnliche Gemeinschaft. Jedenfalls hätte man die Ledigen gerne "unter der Haube", versorgt gewusst.
 

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Ehelosigkeit in der Gesellschaft von heute


Wie vieles andere hat sich in der Gesellschaft auch die Haltung ledigen Menschen gegenüber über die vergangenen Jahre radikal geändert. Die heutige Gesellschaft hat sich von den allermeisten biblischen und christlichen Wertvorstellungen gelöst. Pflicht und Hingabe sind zu relativen Werten geworden. Somit kommt nicht nur das Verständnis für Ehe und Familie immer mehr abhanden; auch die Bedeutung von Ehelosigkeit erfährt einen Wandel. Der Makel, die Frucht- und Sinnlosigkeit eines unverheirateten Lebens und der Mangel an Zugehörigkeit wird zum Ideal absoluter Freiheit, Ungebundenseins und Selbstverwirklichung. Was früher als anrüchig und zwiespältig galt, ist heute Ausdruck eines unabhängigen, freien, an nichts gebundenen, zu nichts verpflichtenden Lebensstils. Suchte man früher Erfüllung und Lebenssinn in der Hingabe an Familie und Gemeinschaft, im Erfüllen von Pflichten und Tragen von Verantwortung, so ist heute ein Minimum an Pflicht, an Verbindlichkeit, an Verantwortung, verbunden mit einem Höchstmass an Befriedigung eigener Bedürfnisse gefragt. Ungebundensein ist das Ideal der heutigen Gesellschaft. Die Auswirkung dieses Wandels (Paradigmenwechsels) ist die Verwahrlosung von Beziehungen, der Verlust von Beziehungsfähigkeit und Gleichgültigkeit allem gegenüber, was einen nicht ganz persönlich betrifft. Auf diesem Boden wächst ein Egoismus heran, der jede Gemeinschaft und Gesellschaft zerfallen lässt und letztlich zerstört.
 

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Ehelosigkeit in der Gemeinde


Die frühe Kirche verstand, dass für den einzelnen Menschen in der Beziehung zu Gott eine neue Zeit angebrochen war. Ehelosigkeit wurde als mögliche, eigenständige und von Gott gewollte Lebensform in das Gemeindeleben aufgenommen. Mit der zunehmenden Institutionalisierung der Kirche wurde diese Lebensform immer mehr mit einem geistlichen Dienst verknüpft. Der Stand der Ehelosigkeit wurde ins Kloster oder Priesteramt verbannt. Die katholische Kirche erhob Ehelosigkeit zu einem Spezialzustand, der geistlichen Dienern vorbehalten blieb und somit für den Normalsterblichen nicht mehr relevant war. In der Gesellschaft hörte jede Auseinandersetzung mit Ehelosigkeit auf. Der Gedanken an Ehelosigkeit ausserhalb eines geistliche Auftrages blieb deshalb fremd und anstössig. Mit der Reformation verlor Ehelosigkeit auch im Bereich des geistlichen Amtes an Bedeutung. Luther heiratete. Ehelosigkeit hatte im reformatorischen Denken keinen Platz mehr. Das alttestamentliche Verständnis von Ehe und Ehelosigkeit hielt in der reformierten Gemeinde Einzug. Im reformierten Bereich ist einzig unter den Frauen wieder eine (jedoch) ordensähnliche Bewegung entstanden, auch mit einem sozial-geistlichen Auftrag: die Diakonissen. Ehelosigkeit ist deshalb auch im reformiert- evangelischen Bereich nur in einem geistlichen Dienst denkbar, innerhalb eines definierten Lebensrahmens wie einem Orden oder einer Bruderschaft. Dies hat eine fruchtbare Auseinandersetzung mit Ehelosigkeit als mögliche Lebensform im Alltag, in Kirche und Gesellschaft bis heute verunmöglicht. Darum besteht in vielen Gemeinden im Umgang mit Ehelosigkeit eine grosse Hilflosigkeit. Nicht wenige Frauen leiden am fehlenden Verständnis für ihre Situation, an fehlender Sicht für ihren Platz im Leben und im Reich Gottes. Viele Gemeindeleiter und Verantwortliche sind überfordert, Hilfestellung und Orientierung zu geben, die Ledige motivieren würde, ihren Stand als Ort der Erfüllung zu betrachten und einzunehmen. Es ist dringend, sich auf das neutestamentliche Verständnis von Ehelosigkeit zu besinnen: Was für Voraussetzungen sind uns gegeben als Gemeinde, die mit der Realität von Gottes Reich lebt, um sowohl in der Ehe wie in der Ehelosigkeit in einem entspannten Beziehungsumfeld ein fruchtbares Leben zu führen?
 

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NEUTESTAMENTLICHES VERSTÄNDNIS


Den Bräutigam vor Augen

Die Ansichten Jesu bezüglich Heiraten und Ledigsein waren zu seiner Zeit so radikal anders, dass die Jünger seinen Gedanken nicht recht folgen konnten und ihn nicht verstanden. "Ich sage euch aber: Wer seine Frau entlässt, ausser wegen Unzucht, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Die Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit dem Weibe so steht, ist es nicht gut, zu heiraten. Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist. Denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind, und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind, und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, fasse es!" Mt. 19, 10-12. Johannes der Täufer war der Bote dieses auf der Erde anbrechenden Reiches der Himmel. Nicht zuletzt als ein Zeichen, dass mit diesem kommenden Reich Gottes eine neue Ordnung anbrechen wird, war er unverheiratet. Sein ganzes Leben war auf das Eine ausgerichtet: Der Bräutigam kommt! Seine Freude, die Erfüllung seines Lebens erreicht seinen Höhepunkt in der Aussage: "Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, freut sich sehr, dass er die Stimme des Bräutigams hört. Diese meine Freude hat sich nun erfüllt." Joh. 3,29. Was bei Johannes dem Täufer an tiefer Liebe zum Bräutigam sichtbar wird, setzt sich im Leben verschiedener Jünger fort und leuchtet im Leben von Paulus erneut ganz stark auf, so in seinem Bekenntnis in Phil. 3,8-10: "Ja wahrhaftig, ich achte alles als Verlust um der unüberbietbar grossen Erkenntnis Christi Jesu willen, meines Herrn. Um seinetwillen habe ich alles preisgegeben und halte es für Mist, um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden (...). Ihn will ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Leidensgemeinschaft mit ihm (...)." Paulus verstand, dass er die Erfüllung seines Lebens in allererster Linie im ganz Ausgerichtetsein auf den Messias, den Bräutigam, erleben würde. In seiner Sehnsucht, "in ihm erfunden zu werden" ist nichts zu finden von einem Ringen mit Mangel an Erfülltsein, mit dem Erleben von Halbheiten im Ledigenstand. Paulus ist der Gedanke fern, ihm als Unverheiratetem könnte irgend etwas fehlen, um zur ganzen Fülle des Lebens zu gelangen. Er ist so erfüllt von der Erfahrung, dass er in seinem Stand die Fülle zum Leben in der Beziehung zum Messias am vollkommensten erfahren kann, dass er am liebsten allen Menschen das Ledigsein empfehlen würde - für Paulus, als ehemaliger Rabbiner ganz im Denken des Alten Testaments verwurzelt, ein ungewöhnliches Bekenntnis!
 

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Das Lebensziel


Gott möchte, dass jedes Menschenleben wie eine Frucht heranreift, zur "vollen Mannesreife", zu menschlicher Reife. Über jedem Leben bleibt das Anfangswort, die erklärte Absicht Gottes mit der Erschaffung des Menschen bestehen: "Seid fruchtbar und mehret euch." 1. Mose 1,22. Dieses Gebot nimmt Jesus in Joh. 15,16 wieder auf und offenbart damit das Anfangsgebot Gottes in einer neuen Dimension: "Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe." Das Ziel jedes Menschenlebens ist bleibende Frucht. Jedes Leben soll zur Reifung einer Gott wohlgefälligen, den Mitmenschen wohltuenden, auferbauenden Persönlichkeit kommen, die das Wesen Gottes und sein Reich sichtbar und erlebbar macht. Wie das Reich Gottes sich immer in Beziehung offenbart und manifestiert, so auch die Reife des Menschseins: die Hinführung zur Fülle ereignet sich ebenfalls in der Beziehung, im Gegenübersein, im Ausgerichtetsein auf mein Gegenüber. Im angebrochenen Reich Gottes, wo sich Gott in Jesus jedem einzelnen Menschen offenbart und zuwendet, ist dieses Ausgerichtetsein auf ein Gegenüber sowohl in der Ehe wie in der Ehelosigkeit möglich, im Gegensatz zu den alttestamentlichen Verhältnissen, wo die Menschen mit wenigen Ausnahmen in grosser Distanz zu Gott lebten und ihn kaum als Gegenüber erfuhren. Ihnen war nur im Rahmen von Volk und Stamm und mittels der Priester eine Beziehung zu Gott möglich; ein verbindliches Leben von Gegenübersein war nur im Rahmen der Ehe lebbar. Nur einige wenige wie Abraham, David und die Propheten sind zu einer Gottesnähe durchgebrochen, die in Jesus dann für alle Menschen zugänglich wurde: Gott stellt die anfängliche Beziehung, wie sie zu Adam war, wieder her und macht jeden Einzelnen zu seinem Gegenüber. Dadurch wird die Reifung eines Menschenlebens auf einen ganz anderen Boden gestellt.
 

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Der Weg zur Reife


Was schon im Alten Testament geboten war, ohne dass der Einzelne die Möglichkeit hatte, dies zu erreichen, wird durch Jesus jedem Menschen ermöglicht: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Vernunft. (...) Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Mt. 2, 37-39. Jeder Mensch gelangt in diesen Prioritäten zur Fülle seines Lebens, egal in welchen Lebensrahmen er eingebunden ist, ganz gleich ob verheiratet oder unverheiratet: zuerst in der Liebe zu Gott, dann in der Zuwendung zum Nächsten und zu sich selber. In Jesus hat sich Gott erneut zum Gegenüber des Menschen gemacht und fordert ihn auf, Erfüllung, Schutz, Geborgenheit, Frieden - alles, was das Leben ausmacht und zur Entwicklung einer Persönlichkeit nötig ist - zuallerst in der Beziehung zu ihm zu suchen: "Du sollst den Herrn deinen Gott lieben..." In diesem Zusammenhang ist auch die Forderung Jesu zu verstehen, wenn er sagt: "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert." Mt. 10,37. Dieses Wort richtet sich nicht nur an jene, die Frau, Mann und Kinder haben. Es richtet sich ebenso an jene, die mit der Vorstellung leben, dass sie ohne die Möglichkeit von Ehe und leiblichen Kindern nicht zu einem erfüllten, fruchtbaren, gottgefälligen Leben kommen können. Das Hingelangen zur vollen Reife, zur ganzen Fülle des Lebens, ist nicht abhängig vom Stand, aber abhängig davon, wie jeder in seinem Stand in der Beziehung zu Gott lebt. Unverheiratete, die mit Bitterkeit und Anklage durchs Leben gehen in der Meinung, Gott habe ihnen einen Partner vorenthalten, werden nie zur Fülle des Lebens durchbrechen, selbst wenn Gott ihren innigsten Wunsch erfüllen würde. Im Festhalten unserer Wünsche bringen wir ja zum Ausdruck, dass wir erfüllendes und wahres Leben nicht primär in der Beziehung zu Gott suchen und auch nicht von ihm erwarten. So einer muss sagen: Gott ist nicht die Quelle des Lebens. Jenem sagt Jesus: "du bist meiner nicht wert." Dies gilt genau gleich für Verheiratete. Auch zu ihnen sagt Jesus, wenn sie die Erfüllung ihres Lebens in erster Linie in der Beziehung zu ihrem Partner und ihren Kinder suchen: "du bist meiner nicht wert." Auch in der Ehe erlangen Mann und Frau ihre Reife als Gegenüber und erleben Fruchtbarkeit nur dort wirklich, wo Jesus ihr ganz persönlicher Bräutigam ist, ihre ureigene Quelle des Lebens.
 

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Umgang mit emotionellen und körperlichen Bedürfnissen


Es ist mir bewusst, dass Unverheiratete immer wieder zu kämpfen haben mit ihren emotionellen und körperlichen Bedürfnissen. Viele Ledige leben im Glauben, dass sexuelle und emotionelle Erfüllung, Geborgenheit und Schutz durch eine Ehe automatisch gewährleistet ist. Das ist ein gewaltiger Irrtum! Bis eine Beziehung in der Ehe zu einem erfüllten und erfüllenden Nehmen und Geben wird, das ein frohes, befreites und befreiendes Leben ermöglicht, braucht es viel Arbeit an der eigenen und der gemeinsamen Beziehungsfähigkeit. In einer Ehe ist zunächst einmal ein Wegsehen von den eigenen Bedürfnissen angesagt, Investition in den anderen und viel Disziplin im Umgang mit Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen. Paulus hat die enorme Investition, die es braucht, bis eine Ehe zur Frucht und Reife gelangt, erkannt und darum geraten: "Bleibt ledig! Wenn jemand dennoch heiraten möchte, kann er das natürlich, aber er muss wissen: "Bedrängnis für das Fleisch werden die Betreffenden erleben, und davor möchte ich euch verschont sehen." 1. Kor. 7,28. Paulus macht sehr deutlich, dass ein Lediger ein sorgloseres Leben hat. Dabei geht es ihm nicht um die Qualifizierung der Ehe oder der Ehelosigkeit. Jeder Stand hat seine Kämpfe, Möglichkeiten und Grenzen, und das Reich Gottes will in jedem Stand zur Fülle, Freude, Fruchtbarkeit und Lebensqualität durchbrechen.
 

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Eine Frage der Nachfolge


In unserer Zeit des angebrochenen Reiches Gottes ist Heiraten tatsächlich nicht einfach das Naheliegendste, Natürlichste, wie dies zur Zeit des Alten Testamentes der Fall war. Paulus' Überlegungen zeigen auf, dass bezüglich Heiraten kein Automatismus zu erwarten und es letztlich für jeden Einzelnen eine Frage des Gehorsams Gott gegenüber ist, ob und wen er heiraten wird. Wenn ich glaube, dass Gott mein Leben zur Fülle hinführt, dann muss ich ihm auch die Angelegenheit überlassen, ob und wen ich heirate. Ledigsein ist kein Wartezustand auf die bessere Zeit der Ehe. Gott will uns im Jetzt begegnen und unser Leben heute freisetzen, erfüllen und fruchtbar machen. Das Festhalten an unseren Vorstellungen und Bedingungen im Bezug auf unsere Wünsche und Bedürfnisse, sowohl als Verheiratete wie als Unverheiratete, verunmöglicht Gott, unser Leben zur Erfüllung zu bringen.
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