als pdf zum Herunterladen (93 KB)Marcel Rebiai, November 2001
Gleichsetzung von Christentum und Islam
Islam als Partner?
Keine Religionsfreiheit in islamischen Staaten
Gläubige Christen als Störfaktor
Kontroverse um Israel
Zwei Definitionen von Terrorismus
Haus des Friedens, Haus des Kriegs
Die Botschaft der Liebe
Durch die Ereignisse vom 11. September in New York ist eine Entwicklung in Gang gesetzt worden, die vor allem zwei Quellen des Übels ins Visier nimmt, welche die Weltsicherheit und das friedliche Zusammenleben der Weltgemeinschaft gefährden: Israel und die bekennenden Christen. Beide werden gerne mit dem stigmatisierenden Etikett "Fundamentalisten" versehen.
Wie komme ich zu diesem Eindruck? Wie sehen die politischen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen mit dem Terroranschlag vom 11. September aus? Es ist erwiesen, dass dieser Anschlag, der die bisherigen Grenzen im Austragen internationaler Konflikte rückhaltlos überschritten hat, von überzeugten Moslems verübt worden ist. Es handelt sich um Menschen, die mit ihrem Glauben und ihrer Religion den Islam absolut ernst meinen und sich auf nichts anderes als ihre religiösen Quellen, d.h. auf den Koran und die Hadith, abstützen (Hadith = traditionelle Lehre vom Leben und Denken von Mohamed und seinen Nachfolgern). Weil ihr Denken und Handeln aber für den Nichtmoslem und besonders für Menschen der westlichen Kultur weder begreiflich noch annehmbar sind, wollen uns westliche Politiker und Kirchenführer im Verbund mit den Medien und der islamischen Intelligentia glauben machen, der Anschlag habe mit dem wahren Islam nichts zu tun. Sie vertreten die Ansicht, diese Terroristen seien keine echten Moslems, sondern Extremisten, wie sie in jeder Religion und jedem Volk vorkommen. Erfüllt von einem Bedürfnis nach einer konfliktfreien, harmonischen und solidarischen Welt sind viele schnell dabei zu bekräftigen, der Islam sei eine Religion des Friedens, welche Gewalt gegen Andersglaubende ablehne. Dass islamische Staaten wie Saudi-Arabien, Pakistan, Sudan, Afghanistan und der Iran jede Form von Öffentlichkeit in Schrift und Ausübung nicht-islamischer Religion verbieten, Missionare strafrechtlich verfolgen und Konversion zum christlichen Glauben anhand des religiösen Rechts (Scharia) mit dem Tod ahnden, scheint der westlichen Gesellschaft entweder unbekannt oder als Ausdruck des gewalttätigen Wesens des Islams unerheblich zu sein. Entrüstung über Menschenrechtsverletzung spart man sich lieber für den israelisch-palästinensischen Konflikt auf, was beispielsweise darin zum Ausdruck kam, dass für Dezember 2001 in Genf eine Konferenz über israelische Menschenrechtsverletzungen am palästinensischen Volk angesetzt wurde.
Gleichsetzung von Christentum und Islam
Um jeder Verdächtigung des Islams vorzubeugen und allfällige Infragestellungen zu entkräften, wird auf den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten und dem zugehörigen Terror im Namen der christlichen Religion hingewiesen. Auch die Inquisition und die Kreuzzüge werden herangezogen, um auf Verwirrung und Entartungen in allen Religionen aufmerksam zu machen. Christentum und Islam werden als leicht zu missbrauchende Religionen gleichgesetzt. Es ist wahr, dass es im Christentum viel Missbrauch gegeben hat und immer noch gibt. Aber wer Islam und Christentum gleichsetzt, hat weder das eine noch das andere wirklich verstanden.
Islam als Partner?
Um die islamischen Völker als Partner im Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen, versichern ihnen die führenden westlichen Nationen, dass sie ihre Religion nicht in Frage stellen, sondern respektieren, achten und schützen. Der Islam ist, soweit mir bekannt, die einzige Religion, die von der UNO kürzlich an der Konferenz in Durban 2001 durch eine Resolution gegen "Islamophobie" (krankhafte Angst vor dem Islam) geschützt wurde. In der westlichen Welt gehört es sich nicht, sich kritisch zum Islam zu äussern; man setzt sich damit dem Verdacht aus, intolerant, fremdenfeindlich oder gar rassistisch zu sein. Was fürchtet der westliche Mensch mehr, als mit einem solchen Etikett versehen zu werden? Die islamische Intelligentia und geistliche Führerschaft weiss um diese Hemmungen des Westens und spielt die Karten der Toleranz mit Bravour auf diesen Emotionen und Ängsten aus. Sie fordert für den Islam Rechte, die dieser in seinem eigenen Umfeld anderen Religionsgruppierungen nie zugestehen würde.
Keine Religionsfreiheit in islamischen Staaten
Wo kann man heute in Ländern wie Saudi-Arabien, Iran und Pakistan, die für die Koalition im Kampf gegen den Terror umworben worden sind, Kirchen oder Synagogen, christliche oder jüdische Schulen bauen? Die islamischen Nationen vertreten eine klare Haltung. Was sie in ihren Staaten tun und lassen, bezeichnen sie als ihre eigene Angelegenheit. Weltanschauung, Lebensweise und Kultur, die ein Nichtmoslem nicht versteht, müssen akzeptiert und respektiert werden. An einer Konferenz der islamischen Aussenminister vor zehn Jahren wurde gesagt, das Aufzwingen westlicher Ansichten von Menschenrechten sei geistiger Kolonialismus und Entmündigung. Amar Moussa, ehemaliger ägyptischer Aussenminister und heutiger Präsident der arabischen Liga, warnte kürzlich die westlichen Nationen vor einer Konfrontation der Zivilisationen und forderte sie auf, jede Form von Feindschaft, Ablehnung und Unterdrückung gegenüber der islamischen Welt zu beseitigen. Terrorismus sei hingegen als Folge von Unterdrückung und Armut zu verstehen; wären diese einmal beseitigt, stünde einem weltweiten Frieden nichts mehr im Wege. Bezeichnenderweise darf sich Amar Moussa der Zustimmung der westlichen Welt sicher sein; denn viele sind sich einig, dass das Problem in jeder Religion einzig die radikalen Element seien. Deshalb müssen die konfliktschaffenden Extremisten, die Friedensverhinderer und Unruheherde neutralisiert werden. Die islamischen Nationen lassen keinen Zweifel daran, wer für sie die Kriterien der konfliktschaffenden Elemente erfüllt: Es sind wie oben schon erwähnt die gläubigen Christen und Israel.
Gläubige Christen als Störfaktor
Warum die gläubigen Christen? Diese sind überzeugt, dass die Menschen, die in der islamischen Welt leben, wie alle anderen Menschen ein Recht haben, die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu hören. Sie sehen es als ihre Pflicht, den Moslems das Evangelium zugänglich zu machen, damit sie sich damit auseinandersetzen können. Diese Haltung erzeugt Konfrontation mit den Autoritäten des offiziellen Islams, d.h. mit dessen Regierungen und geistlichen Führern. Müssen Kirchenführer, Politiker und Medien im Westen gegen Missionare, die unter islamischen Völkern arbeiten, vorgehen, sie bekämpfen und ihre Mission verbieten, um dem Anspruch des Islams nach bedingungsloser Annahme nachzukommen? Kann es sein, dass die zentralen Grundlagen des Evangeliums - und damit die bekennenden Christen - von der westlichen Welt geopfert werden müssen, um Konflikte mit dem Islam zu vermeiden? Das heisst, Aggression, Gewalt und Terror aus der islamischen Welt abzubauen, weil man für eigene Interessen und Sicherheit zu allem bereit ist?
Kontroverse um Israel
Auch Israel scheint ein solcher Preis zu sein, den die westliche Welt immer williger zu zahlen bereit ist, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten, welche man durch die Unberechenbarkeit der islamischen Welt bedroht sieht. Wie die UNO-Menschenrechtskonferenz in Durban gezeigt hat, sind sich alle islamischen Staaten, nicht nur die palästinensischen Vertreter, in der Feindschaft Israel gegenüber einig. Ihre Mitarbeit in der von den USA ins Leben gerufenen Anti-Terror-Koalition wird abhängig gemacht von der Haltung des Westens Israel gegenüber. Plötzlich werden Staaten wie Iran und Syrien, die bis anhin als Schützlinge verschiedener terroristischer Zellen galten und dafür geächtet wurden, vom Westen umworben. Gleichzeitig wird Israel vermittelt, es könne dieser Koalition nicht beitreten, weil ihr Beitritt zu viele, vor allem islamische Länder vor den Kopf stossen würde. Syrien darf sogar ohne Protest der USA geschweige denn der EU Teil des ständigen Sicherheitsrats der UNO werden. Dabei weiss jedermann, dass Syrien die Terrororganisation Hisbollah unterstützt und seit Jahren Teile des Libanons besetzt hält. Die einzigen, die bis zu ihrem Abzug im Mai 2000 in Bezug auf den Libanon an die Zügel genommen worden sind, sind die Israelis.
Zwei Definitionen von Terrorismus
Präsident G.W. Bush hat überraschend von einem Palästinenserstaat zu sprechen begonnen. Eigenartigerweise hat er zwei Definitionen von Terrorismus: Terrorismus, der sein Land betrifft, sei mit allen Mitteln zu bekämpfen. Was hingegen im israelischen Staat tagtäglich erfahren wird - nämlich dass Busse, Autos, Restaurants und Strassen aus dem Hinterhalt angegriffen und dabei Menschen ermordet werden - sei nicht in diesem Sinn als Terrorismus zu verstehen. Israel kommt unter immer grösseren Druck, sich auf ein Minimum des Landes zurückzuziehen, seine heiligen Städte wie Jerusalem und Hebron abzutreten, um sich unter die Hand des Islams zu beugen, weil sonst die Interessen des Westens durch die israelische "Provokation" der islamischen Welt gefährdet werden. Es wird sich zeigen, wieviele der heutigen Beteuerungen von Freundschaft zu Israel seitens Tony Blair, George W. Bush, Gerhard Schröder und anderer westlicher Politiker in absehbarer Zeit noch Substanz behalten.
Haus des Friedens, Haus des Kriegs
Man kann mit dem Islam keine Verbindung eingehen, Versprechungen machen und meinen, hinterher alles relativieren zu können. Sich mit Gewalt sein Recht zu verschaffen, ist nicht die schlechte Angewohnheit einiger böser Buben im Islam, sondern hat mit dem Wesen des Islams selber zu tun. Das Wort Islam enthält nicht nur die Bedeutung von Frieden, sondern auch von Unterwerfung. Nach dem islamischen Konzept wird die Welt in ein Haus des Islams (= Haus des Friedens) und in ein Haus des Kriegs (jedes nicht-islamische Territorium) aufgeteilt. Frieden gilt nur denen, die dem Islam unterworfen werden, weil sie dadurch Teil des Hauses des Islams werden und nicht mehr dem Haus des Kriegs angehören. Es würde den westlichen Kirchenführern, Politikern und Medienschaffenden wohl anstehen, sich mehr mit den Grundlagen des Islams vertraut zu machen und den Versuch zu wagen, den Islam aus islamischem Denken heraus zu verstehen und nicht aus westlich-humanistischen Denkvorgaben. Die Naivität des Westens bezüglich des islamischen Selbstverständnisses kann ihm unerwartete Überraschungen bereiten.
Die Botschaft der Liebe
Für uns Jünger Jesu gibt es eine klare Trennung zwischen Islam als Religion und Ideologie und den Moslems als Menschen. Die Moslems sind wie wir alle von Gott geliebte Menschen, für die Jesus sein Leben hingab, um ihnen den Weg zum Vaterhaus aufzutun. Wir lieben, achten und respektieren sie, bei gleichzeitiger klarer Distanzierung von der Religion, welche sie prägt, treibt und gefangen hält. Es ist eine Herausforderung, dem Islam gegenüber Stellung zu beziehen. Wenn wir aber tatsächlich glauben, dass den Menschen allein durch den Namen Jesus, den Messias, Heil, Rettung und Frieden widerfahren kann, ist es lieblos und verantwortungslos, die Moslems sich selbst zu überlassen, indem wir Toleranz und Gleichgültigkeit bekunden und ihnen die Frohe Botschaft vorenthalten. Ich wünsche uns von Herzen den Mut, dass wir uns vor Infragestellungen und Bedrohungen nicht beugen, sondern anhand des Wortes Gottes eine eigene Überzeugung erarbeiten, die uns hilft, sowohl in unserer Beziehung zu Israel als auch in unserer Liebe zu den islamischen Völkern ein Zeichen der Hoffnung und ein Licht in der Finsternis zu sein.