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Ihr seid meine Zeugen

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Marcel Rebiai, Mai 2004

Ihr seid das Licht der Welt
Nur in Jesus ist Hoffnung
Wen soll ich senden?
Das Weizenkorn muss sterben
Kinder und Jugendliche


Gott ist auf der Suche nach Zeugen; nach Menschen, die in ihrem eigenen Leben das heilende, befreiende, Frieden schaffende und rettende Handeln Gottes erfahren haben;  Menschen, die die frohe Botschaft gehört, gesehen und mit ihrem Leben betastet haben. Gott liebt seine Welt und liess darum seinen Sohn Jesus in ihre Finsternis hinabsteigen, um ihr einen Weg ins Leben, in die Freiheit und in den Frieden zu schaffen. Gott sucht Zeugen davon, dass er, der Schöpfer des Universums, in seinem Sohn sein eigenes Herz der Welt ausgeliefert hat, damit wir Menschen, die wir unsere eigenen Wege gehen und uns in Angst, Finsternis und Tod verloren haben, wieder nach Hause finden können, wie es in Jes. 53,6 heisst: Wir alle irrten umher wie die Schafe; jeder ging seine eigenen Wege; aber der Herr liess ihn treffen die Schuld von uns allen.

Meine eigenen Wege kreisen gewöhnlich nur um mich selbst, um meine Bedürfnisse, Rechte, Wünsche und Nöte. Bekanntlich macht Selbstbezogenheit jedes Leben zu einem Gefängnis, wo Enge, Einsamkeit, Freudlosigkeit und Leere herrschen. Daher ist es unvermeidlich, dass wir schuldig werden an uns selber, am Nächsten und an Gott. Das gilt nicht nur für die, die noch nicht ins Reich Gottes gefunden haben, sondern oft auch für solche, die sich als Jünger Jesu bezeichnen. Auch wir können auf unseren eigenen, selbstbezogenen Wegen immer wieder verloren gehen und brauchen es, durch die Liebe und Fürsorge von Geschwistern gesucht und gefunden zu werden, damit wir zurück nach Hause finden, in das Haus des Vaters.

Doch nicht jeder auch nicht jeder Gläubige, der seine eigenen Wege geht, sieht sich als verloren und umherirrend. Viele betrachten es als eine Zumutung zu hören, dass der Mensch ohne Gottes Gnade verloren ist und zu Grunde geht gerade so, wie es in Sprüche 16,25 heisst: Mancher Weg erscheint einem Manne gerade, aber am Schluss führt er ihn doch zum Tode. Auf dem eigenen Weg irren wir durch die Finsternis des Lebens; es ist ein Weg, der letztlich in den Tod führt.

Wer von der frohen Botschaft erfasst nach Hause gefunden und sich aufgemacht hat, um das Verlorene zu suchen und die rettende Botschaft Gottes zu verkünden, wird der erschütternden Tragik begegnen, dass unser stolzes, unabhängiges und irregeleitetes Herz das Entgegenkommen Gottes oft schroff zurückweist, gleichgültig daran vorbeigeht oder es mit Spott zudeckt. Die Versuchung, dann zurückzuweichen, aufzugeben und die Menschen ihrem Schicksal und Willen zu überlassen, ist gross. Willigen Menschen die Botschaft zu bringen ist eines, doch Jesus starb am Kreuz gerade auch für die, die ihn ablehnen, hassen und bekämpfen. Er starb für seine Feinde. Meinen Rücken bot ich den Schlagenden dar und meine Wangen den Raufenden. Ich verbarg mich nicht vor Schmähung und Bespeien (Jes. 50,6).

Für uns, die als seine Zeugen seine Botschaft hinaustragen wollen, ist es wichtig, uns immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die Zeugen der suchenden Liebe Gottes zu allen Zeiten die gleichen Erfahrungen machten: Entmutigung, die Versuchung aufzugeben, zurückzuweichen, weil sie im Ausüben ihres Auftrags abgelehnt, ausgegrenzt, geschlagen oder gar umgebracht wurden Erfahrungen, die Jesus seinen Zeugen von vornherein in Aussicht gestellt hatte: Um meinetwillen werdet ihr gehasst werden von allen Völkern. ber auch die Hilfe Gottes erlebten sie. Und wer entschieden seinem Auftrag als Zeuge treu blieb, wurde mit der Erfahrung belohnt: Gott kommt zu seinem Ziel. Es werden Verlorene gefunden, Heimatlose finden nach Hause, und sie werden an der Freude des Vaters beteiligt.

Und doch haben viele den Eindruck, Zeuge zu sein sei mit gewissen Fähigkeiten verbunden, bestehend aus Begabung und Ausbildung, und daher nicht unbedingt Sache eines jeden Jüngers Jesu. Sicher ist Ausbildung hilfreich, und es ist auch so, dass nicht jeder als Evangelist begabt und berufen ist. Doch Zeuge ist jeder, der von sich sagt, dass Jesus, der das Licht der Welt ist, in seinem Herzen lebt. 
 

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Ihr seid das Licht der Welt

In wessen Herzen das Licht der Welt lebt, der wird zum Lichtträger. Daher sagt Jesus allen seinen Jüngern: Ihr seid das Licht der Welt. Du und ich Jünger und Jüngerin Jesu sind das Licht der Welt. Welch eine Aussage! Seien wir ehrlich: Jedem anständigen und wohlerzogenen Menschen müssen sich bei einer solchen Aussage die Haare sträuben. Schon unser gesundes Empfinden für Bescheidenheit gebietet uns eine Relativierung dieser Aussage, wenn wir uns nicht dem Verdacht von Anmassung und Grössenwahn aussetzen wollen. Wir als Jünger Jesu das Licht der Welt? Wie stehen wir zu dieser Aussage Jesu?

Es braucht nicht viel Kenntnis der Geschichte, um zu fragen, ob nicht gerade ein solches Selbstbewusstsein der Christenheit viel Not und Elend über Menschen und Völker gebracht hat.  Wir Christen und Jünger Jesu eine Elite guter Menschen? Das wäre ein tragisches Missverständnis. Wem wurde gesagt: Ihr seid das Licht der Welt.? Denjenigen, die unter dem Kreuz Jesu das Urteil über sich akzeptiert haben: Da ist keiner, der gerecht ist, keiner, der Gutes täte, keiner, der nach Gott fragt (Röm. 3,12). Gott hat jene erwählt, die nichts darstellen, nichts vorzuweisen haben, zu kurz gekommen und bedeutungslos, an Leib, Seele und Geist schwach sind (1.Kor. 1,27-31). Wer sich zu diesen zählt und täglich unter das Kreuz kommt, wird erfahren, dass jener, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt, ihn in sein Licht hineinnehmen wird. Nur unter dem Kreuz ist es Jesus möglich, unsere innere Wüste, Einsamkeit, Ruhelosigkeit und Ängste mit seiner Sicherheit, Wärme, Geborgenheit, Hoffnung und seinem Frieden zu erfüllen. Wer täglich diesem Licht in seinem Herzen Raum gibt, wird erfahren, wie diese Wärme, Hoffnung und Orientierung nicht nur sein eigenes Herz erfüllt, sondern wie ein Strom lebendigen Wassers aus ihm hinausfliesst, um anderen Wärme und Hoffnung zu spenden.
Ihr seid meine Zeugen, sagt Jesus Zeugen davon, dass der Sohn Gottes kam, um das Verlorene zu suchen und heimzuholen, Zeuge davon, dass er kam, um aus Finsternis und Tod herauszuholen, Zeuge davon, dass es eine lebendige Hoffnung gibt und darum alles Leid, alle Not, Angst und Gewalt ein Ende haben werden, wie geschrieben steht in Offb. 21,3-5: Siehe das Zelt Gottes unter den Menschen. Und er wird bei ihnen sein Zelt aufschlagen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und er wird abwischen jede Träne von ihren Augen, und es wird keinen Tod mehr geben, auch keine Trauer, kein Klagegeschrei, keine Mühsal wird es mehr geben, denn das Frühere ist vorbei. Und der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Diese Wort sind zuverlässig und wahr. Inbegriff der menschlichen Hoffnung!

Wenn wir von Hoffnung sprechen, klingt natürlich der Welt und oft auch uns das Sprichwort im Ohr: Vom Hoffen und Harren wird mancher zum Narren. Aber demgegenüber steht das Wort Gottes: Hoffnung lässt nicht zuschanden werden (Röm. 5,5) und: Wer bis ans Ende beharrt, wird das Heil erfahren  (Matth.10.22). Das Sprichwort und die biblischen Aussagen bezeugen zwei grundverschiedene Erfahrungen. Sie legen Zeugnis ab über den Grund, in welchem wir uns durch unsere Hoffnung verankert haben. Denn Hoffnung bezeichnet die Bibel als den Anker unserer Seele (Heb. 6,18-19). Welches Zeugnis lege ich ab über den Ankergrund meiner Seele, meines Lebensbootes, inmitten der Wellen und Stürme von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Beziehungskonflikten, auseinander fallenden Gemeinden und Familien oder gar Krieg und Verbrechen? Welche Hoffnung habe ich für meine durch schwierige Ereignisse geschüttelte oder durch geistlichen Stillstand in Glaubenskrisen geratene Gemeinde? Habe ich Hoffnung für ungläubige Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte, die zwar offensichtlich in inneren Nöten stecken, aber in allem anderen Hilfe suchen als beim lebendigen Gott und seinem Messias? Habe ich Hoffnung für mein Land, mein Volk? Auf welchem Grund ruht meine Hoffnung, wenn ich in meinem eigenen Leben Wüste erfahre, Enttäuschung durch Glaubensgeschwister, Zurückweisung und Unverständnis in der Welt? Wenn der Grund meiner Hoffnung der Glaube an das Gute im Menschen ist, an die Freundlichkeit und Integrität der Glaubensgeschwister, so kann mich mein Hoffen und Harren tatsächlich zum Narren machen. Im Herzen des Menschen auch des gläubigen Menschen wohnt nichts, was Grund zum Hoffen gibt. Es steht geschrieben: Des Menschen Herz ist böse von Jugend auf (1.Mose 8,21).
 

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Nur in Jesus ist Hoffnung

In Hebr. 6,8-9 steht: Wir haben einen starken Trost, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen. Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele. Der Hoffnungsanker für unsere Seele, der den kleinen und grossen Widerwärtigkeiten des Lebens Widerstand leisten kann, ist einzig Jesus; er ist die Hoffnung in Person. Er wird alles gutmachen, denn er sagt von sich: Ich bin gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen ein Jahr der Gnade des Herrn und einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden (Jes. 61,2-3).

Was für eine Botschaft für unsere Zeit! Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass die Zeit, in der wir leben, von einem enormen Zerfall biblischer Werte geprägt ist, von Zunahme von Gewalt, Verbrechen, Gleichgültigkeit, Egoismus und Beziehungslosigkeit. Wirtschaftliche und existenzielle Ängste durchdringen wie lähmende Dämpfe das Lebensgefühl der Menschen. Dieser Perspektive in der Welt haben wir als Zeugen des Gottes der Bibel und seines Messias' Jesus eine Botschaft entgegenzusetzen, nämlich dass Gott Neues schafft, einen Neuanfang schenkt. Er verwandelt Angst in Zuversicht, Resignation in Hoffnung, Krieg in Frieden, Schuld und Bitterkeit in Vergebung und Heil, Trauer in Freude, Tod in Leben. Jesaja 61 bringt in eindrücklicher Weise die Botschaft vom Gnadenjahr Gottes in seinem Messias zum Ausdruck. Durch Jesus, seinen Messias, wendet sich Gott seinem Volk Israel und der ganzen Schöpfung zu. Er lädt zu einem Neuanfang ein: Schuld wird erlassen, Gefangene jeder Art werden freigegeben, Beziehungen neu geordnet, Barmherzigkeit wird vor Recht und Gnade vor Gericht gewährt.

Gott möchte uns senden, um Zeugnis abzulegen, ein Licht zu sein, die Botschaft sichtbar, hörbar und greifbar zu machen, dass der Gott der Bibel ein Gott der Gnade ist, ein Gott, der mit seinem ganzen Wesen  barmherzig ist. Innerlich und äusserlich Gefangene (ihre Zahl ist Legion) harren auf Befreiung; Gebundene und Geknechtete harren auf Erlösung; Menschen mit gebrochenen Herzen, Gedemütigte, Missbrauchte und Fallengelassene harren auf Heilung und Wiederherstellung; Enttäuschte, Resignierte und Hoffnungslose harren auf Trost, Ermutigung und Neuorientierung.

Innerlich und äusserlich Arme warten darauf zu erfahren, dass Gott sie liebt und zu einem Leben in Frieden und Freude berufen hat. Gott will der Not, Angst und Finsternis im Leben jedes Menschen Einhalt gebieten und Neues schaffen. Die Botschaft vom Gnadenjahr ist umfassend. Sie allein ist die Antwort auf alle Schreie nach Erlösung aus Schmerz, Leid und Not. Sie ist die einzige Botschaft, die Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit nicht zu Narren werden lässt.
 

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Wen soll ich senden?

Wen soll ich senden?, fragt Gott (Jes. 6,8). Wer wird für ihn gehen von all denen, die diese Botschaft in ihren eigenen Leben erfahren haben? Wie viele werden heute die gleiche Antwort geben wie der Prophet Jesaja: Hier bin ich, sende mich!? Gott wartet darauf, dass den Milliarden von Menschen seine froh machende Botschaft gebracht und bezeugt wird. Wie viele von uns Jüngern Jesu Gliedern seiner Gemeinde, Gemeindeleitern, Jugendleitern, Jungen und Alten werden dem Aufruf Gottes Folge leisten und sich selber senden lassen oder aus ihrer Mitte Menschen mit dieser Botschaft ausschicken? Oder ist uns die Gnade und Barmherzigkeit Gottes so fremd geworden, dass es uns nicht mehr berührt, wenn Menschen, um derentwillen Jesus sein Leben hingegeben hat, weiterhin auf ihren eigenen Wegen verloren gehen und in der Finsternis umkommen? 
 

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Das Weizenkorn muss sterben

Jahr für Jahr werden eindrückliche und aufwändige Konferenzen mit einer Fülle von Informationen abgehalten mit dem Ziel, die Teilnehmer zu einer echten und entschiedenen Hingabe an Jesus und das Reich Gottes zu ermutigen. Man versucht, ein Verständnis für die frohe Botschaft der Versöhnung Gottes mit dem Menschen zu vermitteln und gleichzeitig für die Sehnsucht Gottes, dass diese frohe Botschaft der Gnade und des Neuanfangs hinausgetragen werde in eine ihrer eigenen Zerstörung entgegenrasende Welt. Doch was für Früchte zeitigt der Aufwand solcher Konferenzen? Wie manches Herz öffnet sich dem Ruf Gottes und sagt: "Hier bin ich, sende mich!" Wie viele Männer, Frauen und Jugendliche entscheiden sich, auf ihre berufliche Karriere, auf den Aufbau eines sicheren und geborgenen Heimes, ja selbst auf eine christliche Laufbahn in ihrer Heimat zu verzichten, um sich als Weizenkorn irgendwo in einen Acker hineinzugeben, eingegraben und aufgebrochen zu werden, damit unter denen, die in Finsternis sitzen, Gnade, Barmherzigkeit und Licht als Frucht aufwachsen können? Wird nicht der grosse Weizenhaufen nach solchen Konferenzen immer wieder in die sichere, warme Stube zurückgefahren, wo er am Haufen gelagert und aufgespart wird, während draussen der Acker immer mehr verwildert und verödet und die Wüste der Gottlosigkeit auch die letzten Reste der empfänglichen Erde zudeckt und erstickt?!

Aber nicht nur zu den Teilnehmern von Missionskonferenzen spricht Gott. Wie oft im Laufe unseres Lebens hat er zu dir und zu mir gesprochen und gefragt: "Willst du mein Bote sein, willst du für mich hinausgehen zu jenen, die mich noch nicht kennen, die noch nicht wissen, dass es ein Gnadenjahr des Herrn gibt – einen Neuanfang zum Leben? Willst du ein Weizenkorn in meiner Hand sein?" Und wie hast du darauf geantwortet? Bist du ganz sicher, dass deine Antwort keine billige, vernünftige oder geistlich raffinierte Ausrede war, um dich dem Ruf Gottes zu entziehen? Bist du sicher, dass das, was du jetzt tust und weiter zu tun gedenkst, ganz Gottes Willen entspricht und dem Bekanntwerden seiner Gnade in dieser Welt dient?

Ein Weizenkorn in der Hand unseres Gottes zu sein geht an die Substanz. Das Ackerfeld, in das wir als Weizenkorn hineinsterben, besteht zuerst einmal aus unseren Beziehungen zu den Menschen, denn darin manifestiert sich das Reich Gottes. Wenn wir uns mit Schuld und Not, mit Ablehnung und Hochmut, mit Misstrauen und Kälte einlassen, uns dem unansehnlichen, dunklen, schmerzhaften Teil der Realität der allermeisten Menschen stellen, dann werden wir immer wieder das Sterben an uns selber erfahren. Doch wir können sicher sein, dass Gott nur das in den Tod hineingeben wird, was sein Reich sowieso nicht ererben kann und daher der Wandlung bedarf der Auferstehung, damit es im Reich Gottes zum Reichtum wird. Wenn wir uns diesem Sterben nicht entziehen, dann werden wir aufgebrochen werden wie ein Weizenkorn. Das geht bei uns allen nicht ohne die tägliche Bereitschaft ab, uns aus unserem sicheren Heim hinaus in die Kälte und Ungeborgenheit, in die weite Verlorenheit eines Ackers fallen zu lassen, wo wir à fonds perdu (wie es im Moment aussehen mag) weggeben, was wir erhalten haben: Geborgenheit und Sicherheit. Dabei wird unser Leben selten in grossen Beträgen ausgegeben, sondern meistens in Kleingeld umgesetzt. Aber ohne dieses tägliche Sterben kann das Reich Gottes nicht durch uns zum Leben gelangen. 
 

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Kinder und Jugendliche

Ein letztes Wort, das mir auf dem Herzen brennt, möchte ich euch, unseren Freunden, mitgeben. Heute ist bereits die Hälfte der Weltbevölkerung unter 15 Jahre alt – Kinder und Jugendliche! Es ist bedauernswert, dass sich nicht nur für die islamische Welt, sondern weltweit nur wenige Frauen und fast keine Männer rufen lassen, um den Kindern die Hand zu reichen und sie aus dem Meer von Elend, Zukunftslosigkeit und Angst hinauszuführen, damit sie beim himmlischen Vater ein Zuhause finden und bei Jesus einen Felsen der Hoffnung unter die Füsse bekommen. Natürlich bedeutet die Investition in Kinder harte Herzensarbeit und die Bereitschaft, an sie das eigene Leben zu verlieren, damit sie an uns die Vaterschaft und die Mutterschaft Gottes erfahren. Und es ist keine Kleinigkeit, Kinder zur Vaterschaft Gottes, zu Freundschaft und Vertrauen Jesus gegenüber zu führen.

Der Weg, auf dem Gott zu den Kindern und Jugendlichen kommt, auf dem er sie zu sich ruft, führt allein durch unsere Herzen. Der Preis für den Bau dieser Strasse liegt nicht nur in der Zeit, in Materiellem und in der grossen Nervenkraft, die wir investieren müssen. Nein, den Löwenanteil am Preis dieser Strasse hat das Mitleiden mit Gott an der Not und Verlassenheit der Kinder, die in den allermeisten Fällen als Vaterlosigkeit und nicht selten auch als Mutterlosigkeit offenbar wird. Wenn ich mich Kindern und Jugendlichen zuwende, werde ich mitbeteiligt an ihren Schmerzen, ihrer Aggression, ihrer Ohnmacht, aber auch an ihrer Einsamkeit und ihren Lebensängsten. Denn Kinder sind den finsteren Mächten dieser Welt wie Hass, Habgier und Gleichgültigkeit am hilflosesten ausgeliefert. Doch mitleiden werden und können nur echte Väter und Mütter. Gott ist auf der Suche nach Männern und Frauen, die bereit sind, diesen Kindern und Jugendlichen seine Vater- und Mutterschaft spürbar, sichtbar und fassbar zu machen. Wo sind die Zeugen? Wo sind die Boten? Wo sind die Väter? Wo sind die Mütter?

Wer ist bereit, auf seine berufliche, gesellschaftliche, ja, auf seine christliche Karriere zu verzichten, um sein Leben an Kinder und Jugendliche zu verschwenden und damit einen innigen Herzenswunsch Gottes zu erfüllen? Ohne diese Hingabe wird in den Kindern kein neues Leben entstehen, und es wird schwer möglich sein, sie zum Vater zu führen und ihnen zu einer echten Persönlichkeitsentfaltung zu verhelfen. Wenn das Weizenkorn nicht in Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht (Joh. 12,24). Dieses Prinzip hat auch bei Kindern und Jugendlichen Gültigkeit, sei dies in der eigenen Familie oder in der Begegnung mit Kindern überhaupt.

Kommt, ihr Männer! Kommt, ihr Frauen! Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt warten darauf, dass ihr euch ihnen zuwendet und sie zum Vater im Himmel führt. Sie brauchen Vorbilder, Freunde, Mütter& und ganz besonders Väter, damit sie in das Reich des himmlischen Vaters finden. Möge dieser Aufruf, der ein Aufruf Gottes ist, nicht an euren Herzen vorbeiziehen. Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden, wer will unser Bote sein? (Jesaia 6,8).

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