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Der Nahostkonflikt

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Marcel Rebiai, November 2000

Palästinenser unter jordanischer und ägyptischer Herrschaft
Der Westen sieht die Juden lieber als Täter denn als Opfer
Missbrauch von Kindern
Aufruf zum Heiligen Krieg
Kein ethnischer Konflikt
Anspruch des Islams auf Israel und Jerusalem
Islam oder biblische, jüdisch-christliche Gottesoffenbarung



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Der Nahost-Konflikt aus aktueller, historischer und geistlicher Sicht


Beim aktuellen Konflikt in und um Israel ist es wichtig, Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen und eine Sicht für Gottes Absichten und Pläne sowohl mit seinem Volk als auch mit den Nationen zu bekommen. In Anbetracht der sehr einseitigen Berichterstattung der Presse und dem weltweit wachsenden Antisemitismus ist es für die Gemeinde von grosser Bedeutung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Wieder einmal sind aller Welt Augen auf Israel gerichtet. Die Oberhäupter gewichtiger Länder und die Vereinten Nationen lassen zu Hause alles liegen und stehen, um in dringender Mission mit Drohung, Druck und Devisen den sogenannten israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen. Die Führer dieser Welt scheinen es sich zur persönlichen Herausforderung gemacht zu haben, dieses Problem zu lösen, wie wenn es um das Entschärfen einer Bombe ginge, deren Explosion eine verheerende Wirkung auf den ganzen Planeten hätte. An der Zentralität der Bedeutung Israels und vor allem Jerusalems für die ganze Welt gibt es nichts zu rütteln. Was in Israel und Jerusalem geschieht, bewegt offensichtlich die Gemüter der ganzen Welt, nicht nur jene der Juden und Moslems. Eigentlich könnte man dankbar sein, in diesem blutigen und oft ausweglosen Konflikt von der Weltgemeinschaft wahrgenommen zu werden und nicht sich selbst überlassen zu sein. Leider ist diese Art von Wahrgenommenwerden für uns in Israel alles andere als mutmachend, sondern enttäuschend und gar schmerzlich. Die Resolution der UNO-Vollversammlung, die Israel kürzlich rückhaltlos als Aggressor und schuldigen Part verurteilte, hat das simple Schwarzweiss-Bild, das die Massenmedien in der ganzen Welt und speziell in Europa verbreiten, klar gemacht: Israel und die Juden als aggressive Besatzungsmacht, die die Araber in den autonomen Gebieten unterdrücken, misshandeln, umbringen und ihnen das legitime Recht auf ihr Land und ihre Hauptstadt Jerusalem verweigern. Man sieht Panzer gegen steinewerfende Kinder, Jugendliche und Frauen. Viele Tote und Verletzte auf arabischer Seite - verglichen mit der israelischen Seite. Erschütternde Bilder von sterbenden Kindern und Jugendlichen in den Armen ihrer Väter gehen durch die Welt. In den zornigen und hasserfüllten Schrei der Menge in allen arabischen Ländern nach Rache, Vergeltung und Heiligem Krieg zur Befreiung des islamischen Bodens - und damit ist ganz Israel gemeint - mischt sich der empörte Schrei des Westens und anderer Nationen nach Gerechtigkeit. Israel verhindert und verweigert den palästinensischen Arabern ihr legitimes Recht auf einen eigenen Staat; das ist die Sichtweise der Weltgemeinschaft, besonders in Europa. 
 

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Palästinenser unter jordanischer und ägyptischer Herrschaft


Man vergisst sehr schnell, dass zwischen 1948 und 1967 - also fast 20 Jahre lang - die Westbank und Ostjerusalem von Jordanien und Gaza von Ägypten beherrscht waren, die ihren palästinensischen Brüdern nicht einmal ein Recht auf autonome Verwaltung, geschweige denn auf einen eigenen Staat zugestanden haben. Im Gegenteil: Mit Tausenden von Toten wurde in Jordanien anfangs der siebziger Jahre ein Aufstand der Palästinenser - bekannt als schwarzer September - mit Panzern niedergeschlagen. Arafat musste mit seinen Leuten das Land verlassen. In mehreren arabischen Ländern sind Palästinenser als Menschen zweiter Klasse behandelt und misshandelt worden. Hat sich im Westen je eine Stimme dagegen erhoben? Es geht nicht darum, die jetzige Not der palästinensischen Araber auf die arabischen Nationen abzuschieben. Aber es ist wichtig, die Wurzeln dieses Konflikts richtig zu verstehen. Vor allem als Christen sollen wir der Wahrheit ins Auge schauen und uns nicht durch emotionelle, tendenziöse und unredliche Berichterstattung prägen lassen. Israel und das jüdische Volk stehen wieder einmal - durch eine UNO-Resolution schwarz auf weiss festgelegt - als die Quelle des Bösen und als Ursache für die Not der palästinensischen Araber da. Nur gerade sechs Länder haben sich dagegen ausgesprochen, ausser den Vereinigten Staaten meist unbedeutende Nationen wie Mikronesien. Alle anderen sind sich in der Verurteilung einig oder gehören zur schweigenden Menge. Letzteres ist nichts Neues in der jüdischen Geschichte
 

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Der Westen sieht die Juden lieber als Täter denn als Opfer


Man wird den Verdacht nicht los, dass es vielen vielleicht gar nicht ungelegen kommt, wenn Israel als Täter gebrandmarkt wird. Denn das ermöglicht einem, sich von der eigenen unseligen Geschichte als Täter gegenüber dem jüdischen Volk zu verabschieden. Mit Empörung fordert man dann Gerechtigkeit für die Opfer, die endlich nicht mehr die Juden sind. Der Wunsch des Westens, die eigene grausame und finstere Geschichte mit dem jüdischen Volk hinter sich zu lassen, scheint so gross zu sein, dass dadurch die Wahrnehmung der aktuellen Situation massiv getrübt wird.
 

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Missbrauch von Kindern


Lasst uns einmal die Wirklichkeit anschauen, wie wir sie hier an Ort und Stelle erleben, z.B. die Kinder und Jugendlichen, die gegen Panzer und Gummigeschosse Steine werfen. Nach CNN, welche eine allgemeine Berichterstattung im Westen repräsentiert, geht es hier um einen Kampf zwischen einer schwer bewaffneten Armee und unbewaffneten, wehrlosen Kindern und Frauen, die auf der Strasse mit nackten Händen um ihr Überleben und ihre Freiheit ringen. Ausser der schwedischen Königin scheint es niemandem aufgefallen zu sein, dass Kinder und Jugendliche von strategischer Hand missbraucht und geopfert werden, um in der Umkehrung und Beschwörung des David-Goliath-Bildes die empörten Emotionen der Weltgemeinschaft als Druckmittel für ihre Ziele nutzbar zu machen. Aus erster Hand wissen wir, wie Kinder aus arabisch-christlichem Hintergrund gezwungen werden, an diesem Kampf teilzunehmen und Steine zu werfen, wenn sie nicht als Verräter gelten wollen - gezwungen von anderen Kindern und Jugendlichen, die von religiösen und nationalistischen Führern, Lehrern oder sogar den eigenen Eltern aufgestachelt werden. Eine Mischung von Angst vor den eigenen Leuten, von nationalistischem Ehrgefühl und von der Aussicht auf paradiesische Belohnung seitens des Islams treibt die Kinder und Jugendlichen dazu, ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Dazu kommt, dass die palästinensische Autonomiebehörde jeder Familie für einen Toten 2000 und für jeden Verletzten 300 Dollar bezahlt. Nahezu bei jeder Freitagspredigt in den Moscheen wird zur Vernichtung der Juden unter Einsatz des eigenen Lebens und zur Befreiung von ganz Palästina aufgerufen, welches als heiliger islamischer Boden betrachtet wird. Darunter wird das ganze Land verstanden, von Galiläa bis zum Negev. Es ist nicht zufällig, dass in den Schulbüchern, welche die palästinensische Autonomiebehörde dieses Jahr herausgegeben hat, Israel nirgends zu finden ist. 
 

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Aufruf zum Heiligen Krieg


Zur Illustration, was die Emotionen und das Denken der palästinensischen Araber - ganz besonders der Kinder und Jugendlichen - täglich prägt, möchten wir einige Sequenzen aus einer Freitagspredigt aus der Zayed bin Sultan Al Nahyan Moschee in Gaza vom 13.10.2000 zitieren: "Die Juden sind Juden, ob Labour oder Likud... Sie haben keine Moderaten und keine Friedensvermittler. Sie sind alle Lügner... Oh Brüder des Glaubens, die Kriminellen, die Terroristen sind die Juden, welche unsere Kinder niedergemetzelt, sie zu Waisen und unsere Frauen zu Witwen gemacht sowie unsere heiligen Stätten verunreinigt haben. Sie sind die Terroristen. Sie sind diejenigen, die niedergemetzelt und getötet werden müssen, wie Allah, der Allmächtige sagte: "Bekämpft sie: Allah wird sie foltern lassen durch eure Hände, wird sie demütigen und wird euch helfen, sie zu besiegen, und wird den Sinn der Gläubigen beleben..." Es sind die Kosten und die Mitgift dieser Braut, es ist die Mitgift des Paradieses, dass wir auf dem Wege Allahs kämpfen, töten und getötet werden. Allah hat von den Gläubigen ihre Person und ihren Besitz erkauft und gibt ihnen dafür sein Versprechen, dass sie das Paradies besitzen sollen, denn sie kämpfen für die Sache Allahs, und sie schlachten den Feind und werden geschlachtet. Das ist ein Versprechen, zu welchem er (Allah) sich verpflichtet hat, so wie es in der Thora, dem Evangelium und dem Koran ausgeführt wird... Die Juden sind die Verbündeten der Christen, und die Christen sind die Verbündeten der Juden, trotz der Feindschaft, die zwischen ihnen besteht. Die Feindschaft zwischen den Juden und den Christen ist tief, aber sie befinden sich in Übereinstimmung gegen die Monotheisten, gegen diejenigen, die sagen: "Es gibt keinen Gott ausser Allah, und Mohammed ist sein Prophet". Das heisst, sie sind gegen euch, oh Moslems... Obschon für Gaza eine Vereinbarung unterschrieben worden ist, werden wir Haifa und Akko und Galiläa und Jaffa und das Dreieck und den Negev und den Rest unserer Städte und Dörfer nicht vergessen. Es ist nur eine Sache der Zeit... Habt kein Erbarmen mit den Juden, wo auch immer sie sind, in welchen Ländern auch immer. Bekämpft sie, wo ihr auch seid. Wo immer ihr ihnen begegnet, tötet sie. Wo immer ihr seid, tötet diese Juden und diese Amerikaner, die ihnen gleich sind." (Übersetzung aus dem Arabischen: Middle East Media Research Institute)
Diese Predigt wurde an jenem Wochenende mehrmals über das palästinensische Fernsehen gesendet. Predigten diesen Stils kann man jeden Freitag in verschiedensten Moscheen hören - auch in der Al Aqsa Moschee auf dem Tempelberg. Es ist uns nicht bekannt, dass westliche Medien diesen hasserfüllten Aufruf zu Mord und Vernichtung thematisiert oder dass die UNO und westliche Regierungsvertreter dazu Stellung bezogen hätten. Jasir Arafat kann es sich erlauben, in einem öffentlichen Interview über den israelischen Premierminister zu sagen: "Geh zur Hölle", ohne dass dies die Gemüter erschüttert oder als Mangel an Friedensbereitschaft ausgelegt wird. Am letzten Arabergipfel in Kairo hat sich der ägyptische Aussenminister öffentlich mit der Zielsetzung der Hamas und des Jihads identifiziert und sie als gemeinsames Ziel aller Araber bezeichnet, ohne dass sich die Weltgemeinschaft darüber gross empört oder zumindest Fragen gestellt hätte. Und die Ziele der Hamas sind allgemein bekannt, nämlich die Vernichtung des Judenstaates und die Vertreibung der Juden aus islamischem Territorium. 

 
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Kein ethnischer Konflikt


Es kann uns nicht verübelt werden, wenn wir hier von Wahrnehmungsstörung bezüglich der Situation des Konflikts sprechen. Unser Anliegen als Gemeinschaft ist es nicht, Partei zu ergreifen, sondern zur Wahrheit zu stehen. Wir sind Freunde des jüdischen wie des arabischen Volkes. Wir stellen uns zu den Verheissungen Gottes für das jüdische Volk und zu seiner Geschichte mit ihm, wie dies das Wort Gottes bezeugt. Genauso liegt uns das Wohlergehen, das Heil und der Friede des arabischen Volkes am Herzen. Gerade deswegen ist es uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass es hier nicht einfach um einen ethnischen Konflikt geht oder gar um den Kampf zweier Völker um das gleiche Land. Diese Sichtweise entspricht nur zum kleinsten Teil der Wahrheit. Wäre nämlich dies der Fall, hätten die arabischen Palästinenser schon seit über 50 Jahren eine eigene Heimstätte, einen eigenen Staat. Damals, als ihnen sowohl die UNO wie das jüdische Volk eine eigene Heimstätte zugestanden hatten, wurden sie von den eigenen arabischen Brüdern um diese Heimstätte, um ein eigenes Land gebracht. Jordanien und Ägypten hatten sich damals das Land aufgeteilt und hatten kein Interesse, den palästinensischen Arabern auch nur in irgendeiner Form Autonomie zu gewähren. Im Gegenteil: 1964, als Ostjerusalem, die Westbank und Gaza in jordanischer und ägyptischer Hand waren, wurde unter der Schirmherrschaft von Präsident Nasser von Ägypten und König Hussein von Jordanien die PLO gegründet. Jasir Arafat kam erst vier Jahre später dazu. Ziel der PLO war, wie der damalige Kampfruf hiess, die Juden ins Meer zu treiben und ganz Palästina zu befreien, d.h. Israel auszulöschen - ein Ziel, das bis heute in der Charta der PLO festgehalten wird, trotz der Oslo-Verträge
 

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Anspruch des Islams auf Israel und Jerusalem


Was wollen wir damit sagen? Es geht hier letztlich nicht um das Schicksal, um das Bedürfnis der palästinensischen Araber, sondern um den islamischen Anspruch auf ganz Israel, das als heiliger islamischer Boden gilt, allem voran Jerusalem und der Tempelberg. Es ist für das islamische Selbstverständnis unerträglich, dass das jüdische Volk über islamisches Land herrscht und der Tempelberg unter seiner Hoheit ist. Nach dem Koran ist das jüdische Volk von Gott verworfen und den Moslems zum Gericht und zur Vernichtung übergeben. Nicht zuletzt die Geschichte der Juden in den letzten 2000 Jahren bestärkt die Moslems in ihrem Verständnis, dass die Juden von allen Völkern als Abschaum verfolgt, vernichtet und zuletzt aus ihrer Mitte auf islamisches Land ausgespien worden seien. Letzteres ist allerdings eine Tatsache, die die Moslems dem Westen nie verzeihen werden.
 

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Islam oder biblische, jüdisch-christliche Gottesoffenbarung


Die Existenz des Staates Israel und die Gegenwart des jüdischen Volkes sind für den Islam und damit für die Moslems eine Bedrohung und Infragestellung des islamischen Selbstverständnisses als der herrschenden Religion, die die letzte und endgültige Wahrheit besitzt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Jerusalem und das sogenannte Heilige Land mit kurzen Unterbrüchen fast 1400 Jahre unter islamischer Herrschaft waren. Erst das jüdische Volk hat durch seine Rückkehr diese Herrschaft und seinen Anspruch auf Jerusalem zurückgefordert. Es ist der alte Kampf um die Erwählung, der hier stattfindet. Hat die islamische Gemeinschaft das jüdische Volk als Gottes Volk, als das Werkzeug Gottes, sein Reich den Völkern zu bringen, abgelöst oder nicht? Wer hat das Sagen, die Wahrheit, die Autorität und damit die Herrschaft: der Islam oder die biblische, jüdisch-christliche Gottesoffenbarung? Nach islamischem Verständnis gehört die Autorität dem, der auf dem Tempelberg herrscht. Wir wollen hier nicht von der aktuellen Not der Betroffenen in diesem Konflikt ablenken, sondern auf die wirkliche Quelle dieses Konflikts hinweisen, damit wir nicht an vordergründigen Ereignissen hängenbleiben und an der Wahrheit vorbeigehen.
Ich hoffe, dass diese Gedanken zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregen und wir zu einem Verständnis der Wahrheit kommen können - nicht im Lichte unserer eigenen Einschätzungen, sondern im Lichte des Wortes Gottes.
 

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