Predigt von Marcel Rebiai
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Advent steht vor der Tür. Daher ist es nicht nur sinnvoll, sondern fast zwingend, dass wir diese Zeit zum Anlass nehmen, uns darüber Gedanken zu machen, was für eine Ankunft wir eigentlich erwarten – falls wir überhaupt etwas erwarten. Es ist mir bewusst, dass die Adventszeit im Allgemeinen als Vorbereitungszeit für Weihnachten betrachtet wird. Dabei decken uns die äusseren Vorbereitungen mit Arbeit, Geschäftigkeit und Aktivitäten meistens so sehr ein, dass uns der damit verbundene Stress krank zu machen droht. Nicht wenige von uns haben, von Terminen, Verpflichtungen und Erwartungen wie ein gehetztes Tier gejagt, nur den einen Wunsch: diese Zeit möglichst schnell hinter sich zu bringen. Das mag sich ein bisschen dramatisch anhören. In der Tat ist es eine dramatische Zeit, denn der Stress hat noch eine andere Quelle als nur die ruhelose Geschäftigkeit. In der christlichen und christianisierten Welt gibt es keine vergleichbare Zeit, in der die Emotionen der Menschen so sehr aufgewühlt sind. Sehnsüchte und Wünsche werden übermächtig, und erwiesenermassen nehmen die Depressionen zu. Es ist eine Zeit der meist unbewussten Auseinandersetzung mit der Frage nach Zugehörigkeit, Heimat, Familie und Zuhause. Alleinsein, Einsamkeit und Heimatlosigkeit können zu einer erdrückenden Leere, zu einem Abgrund des Verlorenseins werden. Die massive Zunahme der depressiven Erkrankungen in dieser Zeit sprechen eine deutliche Sprache.
Sehnsucht nach HeimatDie erwähnten Begriffe sind keine Klischees. Im Gegenteil: Im Volksempfinden gibt es kaum etwas Traurigeres, als wenn jemand an Heiligabend keinen Ort der Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Aufnahme und Geborgenheit findet. Die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit ist ein existentielles Bedürfnis, und es ist nicht zufällig, dass sie in dieser Zeit so übermächtig wird; denn das Geheimnis ist doch, dass wir die Geburt und Ankunft dessen feiern, der kam, um uns aus dem Abgrund von Heimatlosigkeit, Verlorenheit und Finsternis hinaus in unser ewiges Zuhause zurückzuführen. Es heisst in der Bibel, dass Jesus kam, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Er kam, um aus der Finsternis ins Licht, aus Gebundenheit in die Freiheit, aus Tod ins Leben zu führen. Er wird jeden, der sich ihm anvertraut und sein Leben in seine Hände legt, an den Ort bringen, von dem es heisst: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offenb. 21,3-5). Hier ist die Beschreibung des endgültigen Nach-Hause-Kommens: „Kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei, keine Tränen...“ Welcher Mensch würde sich nicht danach sehnen! Es hört sich an wie eine Utopie, wie schwärmerische Träumerei. Aber Gott, der unseren Mangel an Glauben und Vorstellungskraft kennt, versichert uns ausdrücklich: „Diese Worte sind zuverlässig und wahr!“
Wer durch die enge Pforte des Glaubens zum Kreuz Jesu kommt, erfährt, dass das Leben, das Reich Gottes mit Macht in unsere Welt des Todestals einbricht: „Das Licht scheint in der Finsternis.“ Das Kreuz Jesu wurde zur Himmelsleiter, auf der Gott zum Menschen herunterkam, um ihn zu sich nach Hause zu führen. Dort machte Jesus die Tür zum Vaterhaus weit auf und fordert uns bis heute durch seine Jünger auf, uns dorthin auf den Weg zu machen.
Jesus selber kehrte zum Vater zurück mit einem ganz konkreten Ziel. In Joh. 14,1-3 sagt er, dass er uns beim Vater Wohnungen, ein Zuhause bereiten will, um dann zurückzukommen und uns zu holen, damit wir für immer da sein können, wo er ist. Paulus, der die Gnade hatte, einen Blick in den Himmel zu tun, sagte von diesem Zuhause: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat…“ (1. Kor. 2,9). Das Zuhause bei Gott übersteigt jede menschliche Vorstellungskraft an Schönheit, Geborgenheit, Frieden und Freude.
Ist das eine schwärmerische Utopie, eine verzweifelte Projektion unserer Sehnsüchte und Wünsche? Nicht, wenn man dem Wort Gottes glaubt. Wenn wir die Versprechungen Jesu als Wort Gottes glauben (und wir täten sehr gut daran!), dürfen wir absolut sicher und getrost auf das Eintreffen, auf die Einlösung dieses Versprechens warten, heisst es doch von Gott: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, nicht ein Menschenkind, dass es ihn reue. Sollte er wohl reden und es nicht tun? Sollte er etwas künden und nicht erfüllen?“ (4. Mose 23,19).
Das grösste bevorstehende EreignisEs geht hier nicht um leidige Vertröstungen auf das Jenseits, sondern um die Frage: Wie stehe ich im Bezug auf das grösste Ereignis, das der Menschheit in Bälde bevorsteht? Dass nämlich Jesus, der Messias und Sohn Gottes, dem sein Vater alles in die Hände gelegt hat (Joh. 13,3), zurückkommt, um seine Braut, die Gemeinde, zu sich zu nehmen; dass er kommt, um seine Herrschaft über sein Volk Israel und über alle Völker ein für alle Mal zu klären! Glaube ich, dass es sich ereignen wird,wie versprochen? Erwarte ich Jesus als Richter der alten Schöpfung (Joh. 5,21-24) und als Herrn der neuen Schöpfung zurück? Wenn ja, wie erwarte ich ihn zurück, in welcher Haltung?
Dieser Frage müssen wir uns gerade im Advent, in der Zeit der Erwartung auf die Ankunft des Kommenden stellen. Traditionellerweise wird vielerorts im Advent jeden Sonntag eine Kerze angezündet. Licht ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes, für Hoffnung, Frieden und Freude. Darum sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt.“ Wenn wir im Advent eine Kerze anzünden, wollen wir damit bezeugen, dass wir auf das Wiederkommen des Messias Jesus und damit auf die Vollendung, das Anbrechen des ewigen Reiches Gottes hoffen und warten. Wo wir durch Ereignisse, Erschütterungen, Kurzsichtigkeit und Trägheit unsere Sicht und freudige Hoffnung verloren haben, gilt es entschieden aufzustehen und uns den Verheissungen Gottes wieder zuzuwenden, damit er unsere Sicht, unsere Hoffnung und freudige Erwartung auf das Kommende erneuern und stärken kann; denn wer die Sicht für das kommende Reich Gottes aus den Augen verliert, wird sehr leicht auch das gegenwärtige Reich Gottes aus den Augen verlieren. „Und wenn ich gegangen bin und euch einen Platz bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid“(Joh. 14,3).
Gott erfüllt sein WortEs könnte natürlich sein, dass jemand sagt: „Ja, diese Geschichte mit der Wiederkunft von Jesus, das ist schwerlich so wörtlich zu nehmen.“ Ich kenne viele, die das eher in einem übertragenen Sinn auslegen. Für alle, die nicht ganz sicher sind oder nur schwerlich glauben können, dass Jesus so zurückkommt, möchte ich zum Voraus sagen: Ich kann euch versichern, es wird auf ähnliche Weise geschehen, wie der Staat Israel entstanden ist: Gegen alle menschliche Vernunft und Einschätzung, gegen alle Widerstände der Völker durch die Jahrhunderte bis in unsere Zeit hat Gott seine jahrtausendealten Versprechen an das jüdische Volk eingelöst. Wer hätte vor 70 oder 80 Jahren geglaubt, dass sehr bald ein Staat Israel in aller Leute Mund sein würde, wie das heute der Fall ist? Gott versprach, sein Volk zu sammeln und wieder zu einer Nation zu machen, und er hat es getan! Man kann diese Tatsache bekämpfen, kann das Volk nicht mögen oder ganz viele Fragezeichen haben zu seinem Verhalten; doch der Staat existiert, weil Gott seine Wiederherstellung verheissen hat. Und so wahr Gott in Bezug auf Israels Wiederherstellung sein Wort erfüllt hat, so wahr wird er sein Wort in Bezug auf die Wiederkunft von Jesus erfüllen. Gott macht keine leeren Worte. Das dürfen wir uns ruhig zu Herzen nehmen.
Eigentlich ist es eine unendlich frohe Botschaft, dass Gott keine leeren Worte macht. Wenn er uns etwas verheisst, dann meint er es wirklich so, wie er es sagt. Im Bezug auf das Kommen des Messias sagt uns das Wort Gottes: „Siehe, ich sende meinen Boten, dass er mir den Weg bereite, und plötzlich kommt dann in seinen Tempel der Herr, nach dem ihr euch sehnt, und der Engel des Bundes, nach dem ihr verlangt. Siehe, er kommt, spricht der Herr. Doch wer wird den Tag Seines Kommens ertragen? Und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers und wie die Lauge der (Walker) Wäscher. Dann wird er sich hinsetzen und schmelzen und läutern. Er wird die Söhne Levis reinigen und läutern wie Gold und Silber, dass sie dem Herrn wieder Opfer darbringen in Gerechtigkeit“ (Maleachi 3,1-3).
Maleachi 3,1-3 ist eine Botschaft an das jüdische Volk, aber gleichzeitig eine Botschaft an den Leib Christi. Ich werde nicht auf die Botschaft an das jüdische Volk als Nation eingehen, sondern nur auf das, was ich glaube, dass Gott seiner Gemeinde sagt, der Braut Christi; diese besteht aus Juden und Nicht-Juden, aus allen an Jesus gläubigen Menschen in der ganzen Welt. Von ihnen sagt Petrus: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein zu eigen erworbenes Volk“ (1. Petr. 2,9). Diese königliche Priesterschaft wird nach Offenb. 19,7-8 auch die Braut Christi genannt. Warum wird die Gemeinde als eine Braut bezeichnet? Im Begriff Braut und Bräutigam wird eine ganz intime Herzensbeziehung ausgedrückt, und dieser Braut, die auf den Bräutigam wartet, gilt die Botschaft. Was könnte eine Braut, die wirklich liebt, die ihr Herz an ihren Bräutigam verschenkt hat, sich mehr wünschen als das unbegrenzte Zusammensein mit dem, den sie liebt?
Die beiden Seiten des MessiasWir mögen vielleicht sagen, dass wir uns ja auf das Kommen Jesu, des Messias, freuen. Sein Kommen ist doch die Erfüllung all unserer Sehnsucht und endlich das Ende von allem Leiden, aller Not, aller Finsternis dieser Welt; das Ende des Leidens an uns selber, das Ende des Leidens an dieser Welt. Wer wünscht sich dieses Ende nicht herbei?
Das Wort Gottes sagt jedoch, dass der Messias, wenn er kommt, nicht nur das Ende bringen wird, sondern auch den Neuanfang, ob wir das glauben oder nicht. Ja, er kommt, um zu vollenden. Viele Christen freuen sich über diesen Gedanken, und das ist auch schön. Nun sagt uns unser Text aber noch etwas, was beim genauen Hinhören eher beunruhigend ist. Da steht: „Wer wird sein Kommen ertragen?“ Das passt nicht zusammen mit dem Bild, das wir von Jesus haben: der gute Hirte, der Heiland, zu dem jeder immer und überall kommen darf, bei dem man mit Sicherheit Aufnahme findet. Warum heisst es denn hier: „Wer wird bei seinem Erscheinen bestehen können?“ Worum geht es hier? Die Wirklichkeit des Messias ist sowohl die des guten Hirten wie auch die des verzehrenden Feuers!
Auf diese beiden Seiten will ich eingehen. Die uns eher vertraute Wirklichkeit Jesu stammt aus Jesaja 42: Der Messias ist der, der „den glimmenden Docht nicht auslöscht“, der „das geknickte Rohr nicht zerbricht“, weil er die Barmherzigkeit selber ist; weil er der ist, der Schwäche beim Menschen nicht verurteilt. Er ist der, der sich jedem zuwendet, ohne irgendwelche Leistungen zum Voraus zu fordern. Das ist der Messias, Jesus. Er ist gekommen, um das Verlorene zu suchen. Er ist vertraut mit unseren Realitäten. Er weiss ja, wer wir sind; denn es heisst, dass er unsere Seele bis auf den Grund kennt (Ps.139). Er ist vertraut mit unserer Not, mit unserem Ringen um Leben, mit unserem Leiden an uns selbst. Er kennt uns und macht sich in Bezug auf uns Menschen absolut nichts vor. Die Beschaffenheit und Gefallenheit des menschlichen Herzens ist ihm vertraut. Er durchschaut unsere Fassade. Gott sei es gedankt, dass da einer ist, dem wir nichts vormachen müssen noch können!
Und er sagt: „Ich bin die Tür.“ Wer zu ihm kommt, darf gewiss sein, dass er nach Hause und zum Leben geführt wird. Jesus ist die einzige wahre Hoffnung für uns Menschen, weil er allein imstande ist, uns frei zu machen, uns herauszulösen aus all unseren Ängsten, aus all dem, was unser Leben gefangen hält, einengt und langsam aber sicher zerstört, wie Bitterkeit, Anklage, Selbstverdammnis. Es gibt eine ganze Palette von Systemen, die wir entwickelt haben, um uns selber und andere Menschen zu knechten und uns gegenseitig zu zerstören. Er weiss, dass wir letzlich absolut beziehungsunfähig sind, sowohl in Bezug auf uns selber, wie auch in der Beziehung zu unserem Ehepartner, unseren Kindern, unseren Nächsten. Er weiss das alles und schreckt nicht davor zurück, weil er der Messias ist, der Heiland der Welt! Er ist wirklich der, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht zerbricht. Er sagt zu uns: „Du kannst zu mir kommen, ganz gleich, wie zerbrochen und geknickt du bist. Ich werde dich heil machen, Neues schaffen in deinem Leben.“ Das ist frohe Botschaft!
Dann gibt es aber auch die andere Wirklichkeit, die andere Seite des Messias, von welcher der Prophet Maleachi spricht: „Wer wird bei seinem Erscheinen bestehen können?“ Warum? Offenbar wird sich das zweite Kommen des Messias nicht wie das erste in Verborgenheit und Stille ereignen, sondern wie es in Matth. 24,27 heisst: „Wie der Blitz vom Osten ausfährt und bis zum Westen leuchtet, so wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein.“ Damit bricht in beherrschender und Rechenschaft fordernder Weise das Licht in die Finsternis, die Wirklichkeit und Wahrheit Gottes enthüllend und entlarvend in das Leben der Menschen ein. Das Entsetzen darüber, was das Licht des Messias enthüllt, wird so unerträglich sein, dass die Mächtigen und Stolzen dieser Welt schreien und zu Felsen und Bergen sagen werden: „Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes. Denn gekommen ist der grosse Tag seines Zornes, und wer kann da bestehen!“ (Offenb. 6,16-17). Jetzt können sich die Menschen noch ein grosses Maul Gott gegenüber leisten; noch kann man viele eigene Theorien über Gott entwickeln und so tun, als ob unsere eigene Meinung und Interpretation bezüglich unseres Lebens und des Weltgeschehens die gleiche Bedeutung, wenn nicht sogar mehr Gewicht hätte als das Wort Gottes. Aber wenn der Messias kommt, werden alle Argumente verstummen. Dann wird es uns schlicht die Sprache verschlagen. Er, der die Wahrheit ist, der das Licht ist – in seiner Gegenwart wird jede Lüge verstummen und jeder Hochmut zusammenbrechen. Alles wird entlarvt und auf seine wahre Wirklichkeit reduziert. Wenn er kommt, wird unser Leben offenbar werden. Da wird es nichts mehr zu verstecken geben. Der Mensch, der in seinem Stolz und in seiner eigenen Gerechtigkeit, in seinem selbst gebastelten Glauben, in seiner Anmassung und seinem Hochmut vor den Messias Jesus treten muss, wird in seiner Herzensfinsternis das Angesicht dessen, der das Licht ist, nicht ertragen können. Und dabei wäre es, bevor jener Tag anbricht, allen Menschen so einfach möglich, sich dem kommenden Gericht zu entziehen! Jesus ringt in der jetzigen Zeit der Gnade mit allen Mitteln darum, uns zu vergeben und in sein Licht zu ziehen, damit wir, wenn er kommt, in seinem Licht zu bestehen vermögen. Es ist eigentlich nicht viel, was von uns verlangt wird: umkehren, unser Leben in sein Licht stellen, uns aus Stolz, Lebenslügen, Schuld, Selbstgerechtigkeit und Not heraushelfen lassen. Es ist nicht viel. Aber es kostet uns alles, uns zu demütigen!
Seinen Anblick ertragen könnenJesus will so sehr, das wir seinen Anblick ertragen können, wenn er kommt, weil er uns liebt und keinen Gefallen hat am Tode des Gottlosen. In welchem Zustand werden wir vor ihn treten? Auch wir, die wir uns als Braut Christi bezeichnen? Als was für eine Braut werden wir vor ihm erscheinen? Werden wir eine Braut mit einem Herzen sein, das ganz auf ihn ausgerichtet ist, das ihn sehnsüchtig zurückerwartet? Oder sind wir eine Braut, die zwar wohl weiss, dass der Bräutigam einmal kommen wird, die aber so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass sie gar keine Zeit hat, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie vor ihn treten soll?
Wenn Jesus kommt, wird sein Licht unser Leben offenbar machen, auch die geheimsten Gedanken, die wir bis dahin vor Menschen verbergen konnten, weil ja niemand in unser Herz sehen kann. Vergessen wir nicht: Gott ist immer dabei! Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern als jemand, der sich sehnlichst wünscht, dass unser Herz ein Ort wird, wo er sich niederlassen kann, wenn Wahrheit, Vergebung und Barmherzigkeit wie ein Wohlgeruch darin wohnen. Die Menschen sollen an uns erfahren: Unser Gott ist ein guter Gott.
Der Messias, der kommt, wird den glimmenden Docht nicht auslöschen, das geknickte Rohr nicht zerbrechen; diese Botschaft gilt für unser Leben. Und es gibt die Braut des Messias, die nicht den Stab über uns bricht, sondern jedem zuruft: „Komm zu Jesus, komm jetzt; ganz gleich, wie deine Lebensumstände sind, wie deine Geschichte ist oder wie tief du gefallen sein magst; es gibt Hoffnung für jeden!“ Der Messias kommt, um uns als seine Braut aus aller Not, Angst und Einsamkeit herauszulösen, um den täglichen Kampf um unser Leben, um unsere Würde, um unser Geliebt- und Angenommensein zu beenden. Auf ihn warten wir. Er wird kommen.
Reinigung unseres HerzensAber wenn er kommt, wird er uns von unserem Egoismus reinigen, von unserer Selbstsucht, von unserem Dünkel und Stolz und unserer Herzensenge, welche Glaubensgeschwister, die ihre Beziehung zu Jesus mit einer anderen, ungewohnten Ausprägung leben, oft schnell und bedenkenlos dem ewigen Gericht übergibt. Es ist unglaublich, wie unser Herz durchdrungen ist von diesen krankmachenden, zerstörenden Verhaltens- und Lebensmustern wie Egoismus, Geltungsdrang, Herzensenge, Neid, Eifersucht, Geiz, Selbstgerechtigkeit und Unredlichkeit. Nicht einmal unsere Gebete oder unser Dienst für Gott sind frei davon. Wenn wir Gott dienen, wenn wir ihn im Gebet suchen: Wie oft sind letztlich wir selber Ziel und Mitte dessen, was wir tun oder was uns bewegt?
Wenn Jesus kommt, wird er uns, seine Braut, reinigen; und es wird eine unglaublich schmerzliche Reinigung sein. Nicht, weil er uns etwa strafen möchte, nein, aber wir werden die Scham über den Zustand unseres Herzens, der in seinem Licht offenbar wird, ohne seine Gnade nicht ertragen können! Wenn wir erkennen, dass die Art und Weise, wie wir gelebt haben, eine einzige Verleugnung seines Namens war, wenn wir erkennen, wie wir als seine Braut die meiste Zeit unseres Lebens „herumgehurt“ haben, indem wir unser Herz an andere Liebhaber und Herren hängten, sei dies die Hingabe an den Mammon und an alles, was er uns zu bieten hatte, sei es der Rausch unserer religiösen Selbstgerechtigkeit, die die Gemeinschaft mit anderen Christen (die ihre Hoffnung doch auch auf das Kreuz Christi setzen) verbot, wodurch wir das Vermächtnis und Herzensanliegen unseres Bräutigams mit Füssen traten, oder sei es unser Bestreben, vor der Welt nicht als eng, fundamentalistisch oder borniert zu gelten, wobei wir in nobler Distanz den Anspruch des Wortes Gottes an unser Leben als nicht mehr zeitgemäss, als nicht verbindlich relativiert und uns vom Leibe gehalten hatten, um nicht als Aussenseiter und Geächtete die Wärme und Zuneigung der Welt zu verlieren. Wie gross muss der Schmerz sein, wenn uns das Ausmass an Untreue, Schwäche und Charakterlosigkeit in unseren Herzen vor Augen steht!
In 1. Kor. 3,12-15 wird wie in Maleachi 3,2 von einem Feuer gesprochen, das die Werke des Gottesvolkes, der Braut Christi, auf ihre Substanz prüfen wird. Es wird das Feuer der Heiligkeit Gottes sein, welches in uns nur die ewig bleibende Frucht bestehen lässt, unsere Jesus-Ähnlichkeit. Nur was in unseren Herzen an Jesu Wesen und Natur Realität wurde, übersteht das Feuer. Denn unsere Berufung ist es, in sein Bild verwandelt zu werden. Dazu hat uns Gott gesetzt!
Gott wird in uns das Bild seines Sohnes suchen. Das Erkennungszeichen, an dem wir als seine Jünger erkannt werden, hat Jesus uns klar gegeben: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh. 13,35). Nicht nur die Erde, sondern auch der Himmel wird nach diesem Erkennungszeichen Ausschau halten.
Unsere MotiveAn der Liebe werden wir gerichtet, an der Vergebungsbereitschaft, an der Barmherzigkeit, der Güte, der Reinheit unserer Motive. Die einzige Frage wird die sein, aus welchem Motiv wir gehandelt haben, ganz unabhängig von unseren Lebensumständen, unseren Gaben und Fähigkeiten, der Art unserer Arbeit, Position und Verantwortung. Gott lässt sich nicht beeindrucken von unseren Leistungen, weil er der Geber sowohl unserer Kraft wie auch unserer Gaben und Fähigkeiten ist. Er lässt sich nur beeindrucken von den Motiven, aus denen wir gehandelt haben.
Eine Hausfrau, die aus Gottesfurcht, aus Liebe zum Messias ihr Leben in ihre Kinder, in ihren Mann, in Menschen, die in ihrem Haus ein- und ausgehen, investiert, hat die gleiche Möglichkeit, mit Reichtum und Herrlichkeit aus dem Feuer zu steigen, wie Menschen mit vielen Begabungen, die grosse Leistungen im Reich Gottes erbringen. Gott schaut unser Herz an. Er lässt sich nichts vormachen.
Das Wort Gottes sagt: „Wachet!“ Ob eine Braut auf ihren Bräutigam wartet oder nicht, wird an ihrem Verhalten sichtbar. Jesus sagt klar, was er für ein Verhalten von seiner Braut erwartet, die ihn liebt und zu ihm gehören will. „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben… Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe“ (Joh. 15,10-12). Ja, Gott lässt sich nichts vormachen. Unsere Liebe muss real werden. Seine Frage an uns kann heissen: „Wie ist dein Umgang mit deiner Frau, mit deinem Mann, mit deinen Kindern, mit deinen Arbeitskollegen? Wird darin sichtbar, dass du zu mir gehörst, dass du mich liebst? Bist du ein Mensch, der andere durch sein tägliches Verhalten aufbaut? Einer, der Hoffnung ins Leben anderer Menschen hineinspricht? Einer, der nicht versucht, mit allem, was er tut, andere Menschen für den Aufbau seines Dienstes, seiner Karriere, seines Lebens zu benutzen? Ist dein Umgang mit Menschen für sie eine Ermutigung, mich zu lieben, mir zu vertrauen, mir nachzufolgen? Was sind die Prioritäten in deinem Leben? Was ist dir wichtig und zentral? Wofür, für welches Ziel setzest du deine Energie, deine Kraft, deine Gaben, deinen Besitz ein? Hast du mich lieb?“ so fragt der Messias, bevor er kommt.
Eine sehr ernste Warnung wird uns in Offenbarung 2 gegeben. Es ist ein leidenschaftlicher Aufruf, den der Messias hier an die Gemeinde in Ephesus richtet. Diese Gemeinde ist in vieler Hinsicht eine Vorzeige-Gemeinde, vorbildlich in ihrem Verhalten in Verfolgung und Bedrängnis, eine Gemeinde mit der Gabe der Geisterunterscheidung, die die reine und wahre Doktrin klar aufrechterhalten konnte und Lüge von Wahrheit zu unterscheiden wusste. Sehr wahrscheinlich hatte sie einen ausgedehnten Barmherzigkeitsdienst unter den Armen sowie viele soziale Werke aufgebaut. Eine Mustergemeinde. Aber offenbar verlor sie bei all ihrem Tun für Gott ihn selbst mehr und mehr aus den Augen. „Aber eines habe ich gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke also, wovon du gefallen bist. Bekehre dich und tue die früheren Werke. Sonst komme ich über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle rücken, wenn du dich nicht bekehrst“ (Offenb. 2,4-5). Gott geht es um die Herzensbeziehung, oder wie David in Psalm 51 sagte, um die „Wahrheit im Innersten“.
Mit Leidenschaft Jesus erwartenWenn der Messias kommt, sucht er eine Braut, die ihn erwartet und sich für ihn schön macht. Wie kann sich eine Braut für ihren Bräutigam schön machen? In der Bibel gibt es einen Spiegel, in den die Braut Christi schauen kann, um ihre Schönheit, ihre Ähnlichkeit mit dem Messias Jesus zu überprüfen. Dieser Spiegel ist uns in Galater 5,22-25 gegeben. Dort wird beschrieben, wie der Geist Gottes ein Herz, das Gott gefällt und erfreut, bearbeitet und vorbereitet, eben schön macht wie eine Braut für den Bräutigam: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Das ist es, was an Schönheit und Wohlgeruch durch den Heiligen Geist in unseren Herzen heranwächst und uns fähig macht, als seine makellose Braut in seinem Licht zu bestehen, wenn er erscheint. Möge Gott uns helfen, eine Braut zu sein, die sich täglich für ihren Bräutigam schön macht, ihn mit Leidenschaft zurückerwartet, ja, ihm täglich zuruft: „Komm Herr Jesus!“, um ihm mit Freude entgegenzueilen. „Denn der Geist und die Braut, sie sprechen: Komm! und wer es hört, der spreche: Komm!“ Und er kommt. Er kommt! So wahr Gott, der Gott Israels, der lebendige Gott ist!
Wir wollen miteinander beten: Heiliger Vater, wir sind so dankbar, dass dein Wort so klar ist. Dass du ein Gott bist, der uns als seine Geschöpfe, als seine Kinder durch und durch kennt. Kein Gedanke in uns ist dir unbekannt. Kein Wort ist auf unserer Zunge, das dir nicht vertraut wäre. Du willst uns helfen, in dein Licht hineinzutreten, in die Wahrheit über uns, über dich. Wir sind so dankbar, dass du der bist, der unsere Herzen vorbereiten will, damit wir den Messias Jesus empfangen können. Wir bitten dich von ganzem Herzen, heiliger Vater, dass du uns hilfst, wahrhaftig zu werden in unserer Beziehung zu dir und zu den Menschen. Lass uns Menschen aus der Wahrheit werden, damit wir in deinem Licht stehen können und die Menschen an uns Hoffnung und Barmherzigkeit erfahren und dich darin erkennen und ehren können. Wir bitten dich um deinen guten Heiligen Geist, dass er uns beisteht, dass er uns hilft und uns herausholt aus allen Illusionen über uns selber, aus aller Selbstüberschätzung, aus aller Dumpfheit, aus aller Trägheit. Heiliger Vater, wir bitten dich im Namen deines Messias Jesus, dass du dich über uns erbarmst. Amen.